September

  Levin Gjernals (Bornholm/Dänemark) – Objekt/Installation  

Levin Gjernals ist als Austauschstipendiatin der Gastateliers Hollufgård in Dänemark zu Gast im Künstlerhaus Lukas. Ihre Arbeiten entfalten sich aus vertieften Untersuchungen spiritueller Lebensanschauungen und Bewegungen, die in ihrer Präsentation trotz ihrer vielfältigen unterschiedlichen Materialien oft in sehr reduzierter Form präsentiert werden. Ihr Ansatz ist wissenschaftlich und zugleich philosophisch. Sie arbeitet mit verschiedensten Materialien wie Samen, Pflanzen, Holz, Ton, Glas und Textilien und benutzt Techniken wie Drehen, Glasblasen oder landwirtschaftliche Anbauweisen. Die 1987 geborene und auf Bornholm lebende Künstlerin hat an der Fynske Kunstakademie in Odense in Dänemark und am Goetheanum – Freie Hochschule für Geisteswissenschaft in der Schweiz studiert. Seit dieser Zeit ist ihre Arbeit von der Anthroposophie beeinflusst. Seit 2016 macht sie zudem theoretische und praktische Studien zu landwirtschaftlichen Anbauweisen, deren Beschäftigung sich immer deutlicher in ihrer Kunst manifestiert. Dies war zuletzt u.a. in der Kunsthal Aarhus als Teil der Ausstellung Spring 2014 oder in Primäre für das Krankenhaus auf Bornholm zu sehen.

Abbildung: Ausschnitt aus „Zentrierung“, Eschenholz gedreht, Eisen, 255 x 21 cm, 2016
  Anne Hille (Starkow) – Skulptur/Objekt - Außenraumstipendium  

Anne Hille erhielt das Sonderstipendium, um ein neues Konzept für den Außenraum des Neuen Kunsthauses mit ihren Installationen und Skulpturen zu entwickeln und zu verwirklichen. Die aktuellen Arbeiten von Anne Hille bewegen sich im Spektrum von Kunst und Forschung. Sie beschäftigen sich mit der Wahrnehmbarkeit wissenschaftlicher Phänomene, ihrer Visualisierung und der Übersetzung in eine künstlerische Sprache. So bezieht sich beispielsweise die Skulptur Landmasse, die bereits vor dem Neuen Kunsthaus steht, auf das konkrete Phänomen des Steilküstenabbruchs in Ahrenshoop innerhalb der letzten 2 Jahre. Die 1968 geborene Künstlerin studierte Bildende Kunst an der École des Beaux Arts, Montpellier, Frankreich sowie Bildhauerei, ästhetische Erziehung, Kunst- und Kulturwissenschaften sowie Bildende Kunst an der Universität der Künste, Berlin, wo sie auch Meisterschülerin war. Sie war dort zeitweise Lehrbeauftragte im Fachbereich Bildende Kunst/Lehramt und für Bildhauerei am Caspar-David-Friedrich Institut der Universität Greifswald. Zahlreiche Preise erhielt sie in Form von Stipendien, Arbeiten im öffentlichen Raum entstanden, u.a. für die Placa Internacional Barcelona. Sie lebt und arbeitet im vorpommerschen Starkow. 



Abbildung: Ausschnitt aus „savon...savoir“ (7-teilig),
Skulptur, Stoff, Holz, Schaumstoff, ca. 25 x 35 x 40 cm, 2004


www.annehille.de
  Héctor Moro (Radolfzell am Bodensee) - Komposition  

Héctor Moro benutzt für seine Kompositionen als Grundlage oft mathematische Proportionen und natürliche Zahlenverhältnisse, die er nach selbst entwickelter Systematik auswählt und als Gerüst für seine üppigen und kraftvollen Stücke nutzt. Obwohl er nach strengen Regeln vorgeht, liegt das Charakteristische seiner Arbeit in den Brüchen dieser Regeln und im Unterlaufen von Hörgewohnheiten. Seine Stücke sind oft von emotionaler Wucht geprägt, vehement, sehr dicht konstruiert und fast aggressiv. Gleichzeitig verlangen sie aufgrund ihrer Komplexität und Subtilität viel Aufmerksamkeit und eine besonders feine Wahrnehmung vom Zuhörer. Durch eine vielschichtige und fein kalkulierte Nuancierung der musikalischen Elemente entstehen Klangräume, die innere Räume und Bilder öffnen und geradezu physisch wirken. Seine Schaffenskraft gründet zudem in der Kargheit und Weite, aber auch Lebendigkeit und Fülle der chilenischen Wüste, in der er einen Großteil seiner Kindheit verbrachte. Der in Chile geborene Komponist und Schlagzeuger studierte Komposition und Schlagzeug an der Musikhochschule Freiburg. Er erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, u.a. Akademie Schloß Solitude oder erhielt Kompositionsaufträge u.a. von dem Ensemble Modern. Er war zweiter Preisträger bei dem Kompositionswettbewerb der Stadt Stuttgart 2012.

Abbildung: Ausschnitt eines Notenblattes aus „Overture“ (für Eva S.)
für improvisierendes Klavier und Orchester, 2016


www.moromusik.com
  Peter Pannke (Berlin) – Prosa  

Peter Pannke war als junger Mann fasziniert von ostasiatischer Ästhetik, die darauf abzielt, einen Gedanken in höchstmöglicher Knappheit, mit einem einzigen Pinselstrich oder wenigen Zeichen auszudrücken. Er veröffentlichte Gedichte, die stilistisch an Brecht, Villon und Li Tai Bo angelehnt waren. Er studierte Sinologie, um die klassischen chinesischen Dichter im Original lesen zu können und auch, um ihre Pinseltechnik zu lernen. Später lockte ihn die Musik nach Persien, Pakistan und Indien, was zu Begegnungen mit Islam und Hinduismus führte und dazu, gesungener Dichtung gegenüber geschriebenen Worten den Vorzug zu geben. Diesem Weg folgte er als Autor von Büchern über Musik, Reisen und spirituelle Traditionen, als Sänger, Storyteller, Hörspielverfasser und Rundfunkmoderator. Der 1946 geborene Autor studierte neben Sinologie, Indologie sowie Vergleichende Musik- und Religionswissenschaft in Deutschland und Indien. Er erhielt mehrere Stipendien, u.a. in Istanbul oder des Deutschen Literaturfonds und 2009 den Rabindranath Tagore-Preis.   

Abbildung: Ausschnitt einer Leseprobe aus dem im Entstehen befindlicher Roman
„Das Geläut der Stille“, 

  Daniela Takeva (Kiel) – Fotografie/Video  

Daniela Takeva regt durch ihre Arbeitsweise an, eine Dynamik und Wechselbeziehung zwischen (Bewegt-) Bild, Text und Zuschauer zu erzeugen. Solche Raumbilder entstehen nach einer Phase des Sammelns und Archivierens von visuellem, sprachlichem und akustischem Material und einer anschließenden individuellen Auswahl. Nach einer ständigen subjektiven Ordnung und Unordnung werden die einzelnen Elemente zu einem logischen visuellen Dialog installiert. Die Betrachter*innen sind eingeladen, die entstandenen Arbeiten und das erzählerische Potential zu lesen und zu einem Bildganzen zu addieren. Erst durch das individuelle assoziative Verknüpfen von persönlich gespeicherten Erinnerungsbildern, eigener und fremder Geschichte entsteht eine Narration. Dopplung, Überlagerung und Wiederholung sind dabei wichtige Methoden. Der Bezug zum digitalen Leben, seine Ästhetiken und die Indifferenz von Wahrheit und Fake darin stehen im Interesse der Künstlerin. Die 1990 in Bulgarien geborene und in Kiel lebende Künstlerin studierte Kunst und Philosophie an der Akademie der bildenden Künste Prag, der Nationalen Kunstakademie Sofia, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Sie ist Mitbegründerin und Mitglied der Performancegruppe LAB7 und war Mitkuratorin der Produzentengalerie Prima Kunst in der Stadtgalerie Kiel.  

Abbildung: Ausschnitt aus eines Teils der Installation „uneasy“
Collage, Lentikular Druck, 2017


danielatakeva.de
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