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Die Knstlerkolonie und der Knstlerort Ahrenshoop blicken auf eine ber einhundertjhrige Geschichte zurck. 1894 errichtete Paul Mller-Kaempff das erste Malerhaus in Ahrenshoop. Er gilt damit als der Begrnder der Knstlerkolonie, selbst wenn die Maler Carl Malchin und Anna Gerresheim bereits vor ihm auf dem Dar gearbeitet haben sollten. Ihnen folgten in den Grnderjahren mit Elisabeth von Eicken, Fritz Grebe, Heinrich Schlotermann, Theobald Schorn, Friedrich Wachenhusen u. a. zahlreiche Knstlerinnen und Knstler, die ebenfalls dem besonderen Zauber der Landschaft erlagen.

Nach der Grndergeneration kamen zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch Knstler des Blauen Reiter, der Brcke und der Novembergruppe, die die Moderne an den schmalen Kstenstrich zwischen Meer und Bodden brachten. Sie lieen sich nicht mehr dauerhaft in Ahrenshoop nieder.

Sie nutzen den Ort und die Nachbardrfer meist in den Sommermonaten. Das Wechselspiel der Natur war auch fr sie Anregung und ging in ihre Werke ein. Sie begrndeten damit eine Entwicklung, die Ausdruck der mobiler gewordenen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts war. Sie fhrte dazu, dass aus der Knstlerkolonie ein offener Knstlerort geworden ist, in dem sich die deutsche Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt. So besuchte auch George Grosz mehrfach den Dar, um hier beispielsweise auf Otto Dix oder Max Pechstein zu treffen.

Die entlegene, grostadtferne Kstenregion war zudem in den Jahren des Dritten Reiches von 1933 bis 1945 und danach in den Jahren der DDR bis 1989 ein Rckzugsort fr Intellektuelle und Knstler, die jenseits doktrinrer Beeinflussung arbeiten wollten. So lebte hier der Bildhauer Gerhard Marcks nach seiner Entlassung als Professor an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein von 1933 bis 1946. Und der Maler Max Schwimmer suchte in Folge der Formalismusdebatte und der Aufgabe seines Lehramtes Anfang der 50er Jahre die Nhe zum befreundeten Theodor Schulze-Jasmer im benachbarten Prerow.

Die Regierung der DDR machte Ahrenshoop zum Bad der Kulturschaffenden. Es war der Kulturbund mit dem Dichter Johannes R. Becher, dem Pastor Karl Kleinschmidt aus Schwerin und dem Schriftsteller Willi Bredel, der nach 1945 Ahrenshoop fr sich entdeckte und den Ort zu seinem Sommerzentrum gemacht hat. Der Schriftsteller Uwe Johnson lsst in seinem Roman Jahrestage die Hauptfigur Gesine Cresspahl sagen: Den Intellektuellen der Zone wurde das Fischland zugeteilt wie eine Medizin, nach 14 Tagen mussten sie Platz machen. Ahrenshoop wuchs zu einem beliebten Urlaubsziel vieler Intellektueller und Knstler und war somit stets ein Ort interessanter Begegnungen und Diskussionen.

Heute findet sich zeitgenssische Kunst unterschiedlichster Programmatik in zahlreichen Galerien, Ausstellungs- und Veranstaltungshusern: Kunstkaten, Knstlerhaus Lukas, Neues Kunsthaus Ahrenshoop, Galerie Peters-Barenbrock, Dornenhaus, Strandhalle  das sind Orte einer lebendigen Auseinandersetzung ber und um die Knste. Die Pluralitt und das wechselseitige Tolerieren unter- schiedlicher sthetischer Anschauungen zeichnen Ahrenshoop aus. Ein Museum befindet sich in Grndung, das sich eine systematische kunstwissenschaftliche Aufarbeitung vergangener Entwicklungen und Sammlungen zur Aufgabe machen wird und ein stndiger Ausstellungsort fr die wechselvolle Geschichte des Knstlerdorfs werden soll.

Das Knstlerhaus Lukas hat in ber 100 Jahren diese Geschichte mitgeschrieben. Von seinen Anfngen bis zu einem besonders lebendigen Heute seit 1994 berichten die weiteren Seiten in dem Abschnitt Archiv.

Abbildungen: Paul Mller-Kaempff  Netzboot auf blhender Dne (links),
Cornelia Gro Ausschnitt aus der ferne Krieg (rechts)



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