damals



Vor mehr als 120 Jahren wurde das Knstlerhaus Lukas als Malschule vom Maler Paul Mller-Kaempff erbaut. Die einstige Knstlerkolonie und der heutige Knstlerort Ahrenshoop blicken auf eine ber 125jhrige Geschichte zurck, wobei das 1894 errichtete Haus Sankt Lucas, nach dem Schutzpatron der Bildenden Knstler benannt und in dem sich das heutige Knstlerhaus Lukas befindet, als wichtiges Grndungsdatum der einstigen Knstlerkolonie steht. Mller-Kaempff selbst gilt damit als der Mitbegrnder der Knstlerkolonie, auch wenn der Maler Carl Malchin und die Malerin Anna Gerresheim bereits vor ihm auf dem Dar gearbeitet haben sollen. Ihnen folgten in den Grnderjahren mit Elisabeth von Eicken, Fritz Grebe, Heinrich Schlotermann, Theobald Schorn, Friedrich Wachenhusen u. a. zahlreiche Knstler*innen, die ebenfalls dem besonderen Zauber der Landschaft erlagen. Zwischen 1895 und 1914 stand das Haus vor allem angehenden Knstlerinnen offen, denen die Ausbildung an Kunstakademien damals verwehrt war.

Mller-Kaempff betrieb diese Knstlerinnen-Pension bis 1908 selbst. Zwischen 1908 und 1914 ver- pachtete er Sankt Lucas an Frau von Schack aus Schwerin, die sich damals mit Frulein anreden lie und die wie der Heimatforscher Friedrich Schulz ermitteln konnte das Haus ausgezeichnet fhrte. Nachdem die nchste Pchterin das Haus recht glcklos durch die Jahre des Ersten Weltkriegs gebracht hatte, verkaufte es Mller-Kaempff an den Friseur Bernhard Saatmann. Der neue Eigentmer richtete im Haus einen Friseursalon ein und betrieb daneben unter dem Namen Sankt Lucas als eine bei bildenden Knstler*innen und Schriftsteller*innen uerst beliebte Pension. In den Jahren 1944/45 fanden in dem Haus viele Kriegsflchtlinge eine erste Unterkunft. 1946 erffnete Familie Saatmann erneut den Pensionsbetrieb; und wiederum waren es viele Knstler*innen, die sich im Sankt Lucas einmieteten. Den Friseursalon fhrte Saatmann bis zu seinem Tode im Jahre 1966 weiter. Zuvor bernahmen bereits 1959 der Kulturbund und das Ministerium fr Kultur der DDR die Leitung des Pensionsbetriebes. Im Mai 1979 ging das Haus Lukas, dem inzwischen die Heiligkeit abhanden gekommen war, in das Eigentum des Kulturfonds der DDR ber. Seitdem wurde es bis 1990 als Haus Lukas ausschlielich als Erholungsheim fr Kunstschaffende der DDR genutzt. Prominentester Gast war Heiner Mller.

Zuvor, nach der Grndergeneration kamen zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch Knstler des Blauen Reiter, der Brcke und der Novembergruppe auf die Halbinsel, die die Moderne an den schmalen Kstenstrich zwischen Meer und Bodden brachten. Sie lieen sich aber nicht mehr dauerhaft in Ahrenshoop nieder. Sie nutzen den Ort und die Nachbardrfer meist in den Sommermonaten. Das Wechselspiel der Natur war auch fr sie Anregung und ging in ihre Werke ein. Damit begrndeten sie eine Entwicklung, die Ausdruck der mobiler gewordenen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts war. Sie fhrte dazu, dass aus der Knstlerkolonie ein offener Knstlerort wurde, in dem sich die deutsche Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt. So besuchte auch George Grosz mehrfach den Dar, um hier beispielsweise auf Otto Dix oder Max Pechstein zu treffen.

Die entlegene, grostadtferne Kstenregion war spter in den Jahren des Dritten Reiches von 1933 bis 1945 und danach in den Jahren der DDR bis 1989 stets ein Rckzugsort fr Intellektuelle und Knstler*innen, die jenseits doktrinrer Beeinflussung arbeiten wollten. So lebte hier der Bildhauer Gerhard Marcks nach seiner Entlassung als Professor an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein von 1933 bis 1946. Der Maler Max Schwimmer suchte in Folge der Formalismusdebatte und der Aufgabe seines Lehramtes Anfang der 50er Jahre die Nhe zum befreundeten Theodor Schulze-Jasmer im benachbarten Prerow.

Die Regierung der DDR machte Ahrenshoop dann zum Bad der Kulturschaffenden. Es war der Kulturbund mit dem Dichter Johannes R. Becher, dem Pastor Karl Kleinschmidt aus Schwerin und dem Schriftsteller Willi Bredel, die nach 1945 Ahrenshoop fr sich entdeckten und den Ort zu ihrem Sommerzentrum machten. Der Schriftsteller Uwe Johnson lsst in seinem Roman Jahrestage die Hauptfigur Gesine Cresspahl sagen: Den Intellektuellen der Zone wurde das Fischland zugeteilt wie eine Medizin, nach 14 Tagen mussten sie Platz machen. Ahrenshoop wuchs zu einem beliebten Urlaubsziel vieler Intellektueller und Knstler*innen und war somit stets ein Ort interessanter Begegnungen und Diskussionen.

Nach der Einigung Deutschlands sorgte die 1990 errichtete Stiftung Kulturfonds als Rechtsnach-folgerin des Kulturfonds der DDR dafr, dass ab Sommer 1994 das Knstlerhaus Lukas Arbeits-sttte fr Knstler*innen nunmehr aus ganz Deutschland wurde.

Zwischen den Frhsommern 1994 und 1996 leitete die Theaterwissenschaftlerin Ursula Hahlweg- Elchlepp das Knstlerhaus, das zunchst unter dem Namen Knstlerhaus Haus Lukas firmierte. In diesen Jahren entstanden erste Zusammenarbeiten mit den anderen ortsansssigen Kunsthusern. Auch der zur Tradition gewordene Tag der offenen Tr wurde damals geboren. Ebenso arbeitete das Knstlerhaus Lukas von Anbeginn mit dem ebenso von Gerlinde Creutzburg gegrndeten Kunsthaus Guttenberg zusammen, das 1998 in das Neue Kunsthaus umzog.

Der ersten Leiterin folgte fr ein knappes Jahr die Literaturwissenschaftlerin Gwendolyn Mertz, die fr eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit anderen kulturellen Institutionen in Ahrenshoop und generell im Groraum Rostock sorgte, damit die Stipendiat*innen des Knstlerhauses Lukas ber die Tage der offenen Tr hinaus Mglichkeiten erhielten, in Ausstellungen, Konzerten und Lesungen ihr knstlerisches Schaffen der ffentlichkeit zugnglich zu machen. Gemeinsam mit Sabine Jastram-Porsche vom Kunstkaten und Gerlinde Creutzburg vom Kunsthaus Guttenberg/Neuen Kunsthaus wurde die erste Kulturkonzeption Ahrenshoops geschrieben.

Fr ein Jahr musste 1997/98 das Knstlerhaus Lukas geschlossen werden, um von Grund auf renoviert zu werden. Jedes der fnf Appartements bekam Bad und WC, die Gemeinschaftskche wurde vollkommen erneuert, der Gemeinschaftsraum wurde mit einer Bibliothek und einem Klavier ausgestattet, und im Tiefgeschoss wurde der Boden eines Arbeitsraums abgesenkt, damit darin eine Bildhauerwerkstatt eingerichtet werden konnte.

Im Sommer 1998 bernahm die Bildende Knstlerin Inga Rensch fr fnf Jahre die Leitung des wiedererffneten Knstlerhauses Lukas. Unter ihrer Leitung wurde die Einbeziehung von Knstler- *innen auf die Lnder rund um die Ostsee erweitert. Die spartenbergreifende Arbeit fand ihren besonderen Ausdruck in der fortan gemeinsam mit dem Neuen Kunsthaus betriebenen EDITION HOHES UFER AHRENSHOOP, die in Nachfolge der von Gerlinde Creutzburg gegrndeten Edition Kunsthaus Guttenberg. Wanderausstellungen, die in Verbindung mit dem Neuen Kunsthaus Ahrenshoop entstanden sind, kleine Ausstellungen im eigenen Haus und eine enge Zusammenarbeit mit dem Schweriner Filmkunstfest kamen neu hinzu und befrderten die ffentlichkeitsarbeit.
Danach leitete etwas mehr als ein Jahr die Literaturwissenschaftlerin Ursula Vogel das Haus. 

Im Dezember 2004 musste die Stiftung Kulturfonds ihre Frderttigkeit beenden und das Knstler- haus Lukas schlieen. Im Jahr 2005 hat das Land Mecklenburg-Vorpommern das Haus bernommen, um die internationale und spartenbergreifende Knstler*innenfrderung fortsetzen zu knnen. Die knstlerische Leitung des Knstlerhauses Lukas ist dem Verein Knstlerhaus Ahrenshoop bertragen worden, der ab Februar 2006 die bewhrte Arbeit in erweiterter Form mit neuen Kooperationspartnern fortsetzt. Ein internationales auf Nordeuropa konzentriertes Stipendienaustauschprogramm wurde von Gerlinde Creutzburg, der Leiterin seit 2006, etabliert. Fr den Erhalt des Gebudes sorgt nunmehr die Gemeinde Ahrenshoop.

Die reizvolle Landschaft, die historischen Sttten der ersten Knstler*innengeneration, die Spuren von Knstlerpersnlichkeiten wie George Grosz, Johannes R. Becher, Edmund Kesting, Uwe Johnson oder Hans Kinder in den wechselvollen Jahren danach sowie zahlreiche seit 1990 sehr aktive Kunsthuser und Galerien wie das neu erbaute Kunstmuseum, der Kunstkaten, das Neue Kunsthaus, die Galerien Alte Schule und Peters-Barenbrock oder das Dornenhaus sowie zahlreiche Keramikwerksttten ziehen jhrlich viele Besucher*innen in die einstige Knstlerkolonie und den heutigen Kunstort Ahrenshoop.  


Das Knstlerhaus Lukas hat in ber 125 Jahren diese Geschichte wesentlich mit geschrieben und hier entstehen die Werke, die in ferner Zukunft vielleicht und sicher Bedeutung haben werden.

 
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