Oktober

  Igor Isajew  Kaliningrad  

Geboren 1959 in Kaliningrad | Designstudium an der Staatlichen Hochschule für Theater und Kunst in Minsk | lebt und arbeitet in Kaliningrad | zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen u. a. Kunsthalle Kalmar (Schweden, 2001), „Art Transit“ in Petrosawotdsk, Russland (1999), mehrere Beteiligungen an den Internationalen Biennalen der Druckgrafik in der Staatlichen Galerie Kaliningrad. 

Neben freien grafischen Arbeiten gestaltet er Buchillustrationen und Geb- rauchsgrafik. In seinen Arbeiten begibt er sich oft auf Spurensuche in Kaliningrad. Die Tatsache, dass er in Kaliningrad geboren wurde, ist für Isajew eine Art Vorbestimmung, die seine Identität bestimmt. Wie viele Russen begreift er sich als Teil eines höheren Ganzen, wozu er die geschichtliche Einbettung in die Heimat zählt. Für eine Serie von Grafiken sind Fotos vom Fotografen Dmitrij Demidenko, die Kanaldeckel aus der Königsberger Zeit zeigen, seine Ausgangsbasis. Die grafische Gestaltung reagiert auf die geo- metrische Struktur der Deckel. Isajew ist innerhalb des Austauschprogramms mit Kaliningrad Gast im Künstlerhaus Lukas. 

Abbildung: o. T. aus der Serie „Spuren und Zeichen“, Fotocollage

  Gordon Kampe  Essen  

Geboren 1976 in Herne | Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock bei Hans-Joachim Hespos und Adriana Hölzky | seit 2003 Doktorand an der Folkwang-Schule in Essen | Mitarbeit in einem Projekt der DFG als Musikwissenschaftler und Tätigkeit als Kantor in Herne | Teilnahme an zahl- reichen Opern- und Kompositionswerkstätten u. a. 2004 Orchesterwerk- statt Saarbrücken I Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Darm- städter Ferienkurse für Neue Musik und der Akademie der Künste Berlin | 2005 Gastkomponist beim Takefu Internationalen Musikfestival in Japan und Gewinner des Kompositionspreises des Neuen Kunsthaus Ahrenshoop im Projekt „nebelleben“.

Neben dem konventionellen Instrumentarium überprüft er verschiedenste Alltagsgegenstände auf ihre Tauglichkeit als Klanggeber und setzt in seiner Musik gleichermaßen Brötchentüten, Wasserkocher, Löffel und Luftpumpen ein. Der 1976 geborene Komponist geht in seinen Stücken experimentelle Wege; er setzte Nagelbilder von Günther Uecker in Musik und ließ sich von Science-Fiction-Filmen inspirieren. Sein gegenwärtiges Interesse gilt in be- sonderem Maße dem Bereich des Musiktheaters. Nachdem seine Kammer- oper „Mondstrahl“ im vergangenen Jahr uraufgeführt wurde, arbeitet er zur Zeit wieder an einer theatralischen Vermittlungsform: Als „Bauchladenoper“ bezeichnet er sein ungewöhnliches

Abbildung: Notenblatt aus dem Katalog „nebelleben“

  Jan Klopfleisch  Berlin  

Geboren 1972 in Jena | Studium der Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin, der Universidad de Barcelona | Meisterschüler bei Prof. F. Badur | 2004 DAAD Kurzzeitstipendium für Japan | 2004 / 2004 NaFög Stipendium | Zahlreiche Ausstellungen u. a. „Korrespondenzen“ im Atelier Wiesenstrasse, Berlin (2005) und „Issigak-in“ beim 2. Berliner Kunstsalon, Arena, Berlin (2005). 

Jan Klopfleischs Installationen erkunden grundlegende malerische Möglich-keiten jenseits von Abstraktion und Abbildung. Sie sind durch einfache Grundstrukturen, Offenheit und Veränderbarkeit charakterisiert. Das Augen- merk gilt der Materialität, der Konsistenz und dem Auftrag der Farbsubstanz. Wie in seinem letzten Werk „Issagak-in“ (2005), welches Malerei, Architektur und künstliche Landschaft kombiniert, entstehen offene, variable, modulare Raumkonzeptionen. Beispielsweise entstand mit Elementen des japanischen Teeraums ein Raum für Kommunikation / Kontemplation. Andere begehbare Raumkörper entstehen durch rhythmische Beziehungen von Flächen, Formen und Farben im Zusammenspiel von natürlicher und geometrischer Form.

Abbildung: „Die Diktatur der Zwischendeckestreifen 5“, Installation, 2004

  Alexej Maslov  Kaliningrad  

Geboren 1962 in Kaliningrad | Studium an der Berufsschule der Künste Kaliningrad | Tätigkeit als Bühnenbilder beim Kaliningrader Puppentheater und bei verschiedenen Werbeagenturen | lebt und arbeitet als freischaffender Maler und Grafiker in Kaliningrad | seit 1994 Leiter der Ausstellungsorga- nisation des Deutsch-Russischen Hauses und der Kaliningrader Kunstgalerie sowie verschiedener Museen der Stadt (Weltozeanmuseum, Bersteinmu- seum) | Beteiligung an zahlreichen Gruppenausstellungen, u. a. Kaliningrader Künstler in Vilnius Klaipeda, Palanga, Litauen (2004) | zahlreiche Einzelaus-stellungen, u. a. im Museum F. Dostojewski, St. Petersburg (1997), im Welt- ozeanmuseum, Kaliningrad (2002) und in der Galerie Bodenwerder (2004).

In Alexej Maslovs Arbeit spielt der Mensch als ganze oder torsohafte Gestalt in all seiner Gefährdung und Sensibilität eine große Rolle. Seine bevorzugte Technik ist die Ölmalerei und im grafischen Bereich spielt die Monotypie eine wichtige Rolle. Maslov ist innerhalb des Austauschprogramms mit Kaliningrad Gast im Künstlerhaus Lukas.

Abbildung: Ausschnitt aus „Die Überwindung“ Monotypie, 2000

  Ilja Tschlaki Berlin  

Geboren 1959 in Moskau | Nach langjähriger Tätigkeit als Bühnentechniker und Lichtdesigner beim Theater „Miniatur“ in Moskau Studium am Litera-rischen Institut Nam | Teilnahme an zahlreichen Theaterfestivals und am ständigen Seminar des russischen Schriftstellerverbandes | 1991 Emigration nach Deutschland | lebt und arbeitet in Berlin. Zahlreiche Aufführungen seiner Werke in Theatern in Russland, u. a. Ländern | Zuletzt „Der Brummkreisel“ Theater „Vstrecha“, Odessa / Ukraine (2005) und "Schwüle Nacht" Theater „Irreal“, Moskau / Russland (2005) | Auszeichnungen durch zahlreiche Stipendien u. a. im Eugene O'Neill Theatre Center (USA) (1992), in der Denkmalschmiede Höfgen (2003), Künstlerdorf Schöppingen (2003 / 2004) und Stipendien des Landes Niedersachsen (1996 / 1998), der Alfred-Döblin-Stiftung (2000), des NDK e.V. (1999 / 2000 und 2002 / 2003) | Gewinner des Dramatikwettbewerbs in Schelykowo, Russland (1991) | 2. Platz im Märchen-wettbewerb im russischen Internet (2004).

„In seinen Stücken sind zwei Elemente menschlichen Lebens immer existent: Einsamkeit und Liebe. Tschlaki ist immer entschieden auf der Seite der Liebe. Deswegen sind bei aller Tragik, aller scheinbaren Ausweglosigkeit der erfundenen traurigen und fröhlichen Geschichten voll von leichten, un- sicheren Schatten der Hoffnung...“ („Neue Stücke“) „Der Orkan“ von Ilja Tschlaki handelt von Weltleid: von Geld, Arbeitslosigkeit und Prostitution. Und natürlich von der Liebe beziehungsweise Nichtliebe, verpackt in einer Drei- ecksbeziehung: Zwei Männer zwischen einer Frau. (Der Tagesspiegel). Er erhält ein Stipendium der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Berlin.


Leseprobe: „Der Mond und die Sonne“
  Julia Andrea Weber  Oerlinghausen  

Geboren 1979 in Bielefeld | nach Praktika bei den Bielefelder Modedesign-erinnen Lola und Milli Birlo Modedesignstudium an der FHTW in Berlin-Friedrichshain | 2000 bis 2005 Designstudium mit Schwerpunkt Illustration an der Fachhochschule Münster | 2005 Abschlussprüfung zur Dipl.-Designerin im Fach Illustration bei Prof. Michail Stamm und Prof. Wolfgang Troschke | arbeitet als selbständige Illustratorin in Schweden und Deutschland | zahl-reiche Stipendien u. a. des Deutsch-Französischen Jugendwerkes für einen Arbeitsaufenthalt an der École Superior des Arts Décoratifs in Strasbourg (2002), Erasmusstipendium an der Universidad de Salamanca, Facúltad de Bellas Artes (2002 / 2003), Stipendium des Svenska Insitutet in Stockholm für einen sechsmonatigen Arbeitsaufenthalt in Gamleby (2005) | Präsentation eigener Buchprojekte auf der Frankfurter Buchmesse (2004) 

Julia Andrea Weber kombiniert in ihrer Arbeit verschiedene Techniken, die von Zeichnung, über Druckgrafik bis hin zu Foto- und Textilcollagen reichen. Vorzugsweise arbeitet sie mit "Fundstücken", wie Kleiderstoffen oder anderen Werkstoffen, die nach Bearbeitung am Computer in ihre Arbeit integriert werden. Somit stellt ihre Umgebung nicht nur eine Inspiration für ihre Zeichnungen und Fotografien dar, sondern auch einen wichtigen Lieferanten von „Rohmaterialen“ für ihre Collagen.

Abbildung: Buchobjekt als Bewerbung für ein Stipendium
  Angelique van Wesemael  Berlin  

Geboren 1964 in Clinge, Niederlande | Studium an der Kunsthochschule in Utrecht und an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam | lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Berlin und Amsterdam | zahlreiche Auszeich-nungen u. a. zweiter Preis beim Royal Nederland Grafiekprijs (1998), Ge- winnerin des Kwak, van Daalen & Ronday Grafikpreises (1999) und Ge- winnerin des Niederländischen Grafikpreises (2000 und 2002) | Beteiligung an zahlreichen Gruppenausstellungen in den Niederlanden, Japan, Kanada, Deutschland und Belgien, u. a. 10th European biennal for Graphic Art, Brugge / Belgien (2005), internationaal grafieksymposium „Zebra 3“, Zwickau (2005) | aktuelle Einzelausstellungen, zuletzt „Comment/No Comment“, Galerie Clement, Amsterdam (2005) und „Prent Nu“, Loods 6, Amsterdam (2004). 

Angelique van Wesenmaels Arbeit umfasst vorrangig Grafik, aber auch Zeichnung, Künstlerbuch und seit kurzem Animationsfilm. Die Hauptrolle in ihren Arbeiten spielen Figuren, die halb Mensch- und halb Tierfiguren sind, die sie nicht erfindet, „die einfach da sind“. Spielerisch suchen sie ein Gleichge- wicht, tastend und abwägend, um letztlich ihre Balance zu halten.

Abbildung: Ausschnitt aus „Bears“, Holz- und Linolschnitt, 2003

UNTERWEGS IM OKTOBER 
Im Rahmen unseres internationalen Austauschprogramms erhielt Volker Altwasser ein einmonatiges Arbeitsstipendium für Ostseezentrum für Schriftsteller und Übersetzer in Visby/Gotland und Elena Kozlova erhielt ein Arbeitsstipendium im Grafikens Hus in Mariefred/Schweden.
  Volker Altwasser – Greifswald  

Geboren 1969 in Greifswald | nach Ausbildung zum Elektronikfacharbeiter Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig | Diplomarbeit bei Prof. Dr. Speier und Thomas Hürlimann | lebt und arbeitet als freiberuflicher Autor in Greifswald | zahlreiche Stipendien u. a. Literaturstipendium der Stadt München (2002), Aufenthaltsstipendium der Lydia-Eymann-Stiftung Langenthal (Schweiz), Arbeitsstipendium des Kultusministerium M-V | Preise – „Junge Literatur in Mecklenburg-Vorpommern“ (Stiftung lesen, 1997), „Existenzgründerpreis“ (Ministerium für Wirtschaft und Bau M-V, 2005) | zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien u. a. „Vom Fisch bespuckt. Neue Erzählungen von 37 deutschsprachigen Autorinnen und Autoren“ (Hg. Katja Lange-Müller, Kiepenheuer und Witsch, 2002), und „Der wilde Osten. Neueste deutsche Literatur“ (Hg. Roland Koch, S. Fischer, 2002) | sein Theaterstück „40 Grad, pflegeleicht“ wurde im Theater am Volkspark in Halle / Salle 2001 uraufgeführt | sein erster Roman „Wie ich vom Ausschneiden loskam“ erschien 2003 bei Kiepenheuer und Witsch 

„Altwassers Schilderung des zwischenmenschlichen Desasters trägt Züge jenes ausgeprägten ostdeutschen Neorealismus, den beispielsweise Andreas Dresens Film 'Halbe Treppe' so meisterhaft vorführt!“ (FAZ).
Volker Altwasser erhielt ein Aufenthaltsstipendium innerhalb des Austausch-programms im Baltic Centre for Writers and Translators in Visby, Gotland (S).


Leseprobe aus dem Roman „Wie ich vom Ausschneiden loskam“
  Elena Kozlova – Greifswald  

Geboren 1973 in Tver, Russland | 1990 bis 1995 Germanistikstudium an der Tverer Universität | 1997 bis 2004 Studium der Bildenden Kunst und Kunst-pädagogik am Caspar-David-Friedrich-Institut, Universität Greifswald | 2001 Studienaufenthalt in Oviedo (Spanien) | 2004 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig bei Prof. S. Gille | Teilnahme an zahlreichen Ausstellungen und Projekten u. a. „Nebeneinander“, Max-Plank-Institut für Plasmaphysik, Greifswald (2002), „Alpträume“, Internationales Begegnungs-zentrum Felix Hausdorff, Greifswald (2002), „zu Musterknaben“, Raum- installation, eye-[kju:] Projektraum für kontextuelle zeitgenössische Kunst, Greifswald (2003) | Caspar-David-Friedrich Preis 2003 (Dresden, Greifswald, Kopenhagen) | Otto-Niemeyer-Holstein Stipendium (2004).

Die Bildsprache in Elena Kozlovas Druckgrafiken und Zeichnungen pendelt zwischen Abstraktion und Figuration, zwischen Realität und Fiktion. Und doch geht von den Werken eine ungeheure Sinnlichkeit aus. Motive aus anderen Kontexten werden montagehaft in die eigene Bildwelt eingefügt. In ihren neuesten Malereien handelt es sich um eine Ansammlung menschlicher Artefakte, Bücher, Akten, Papierstapel, die durch ihre perspektivisch räum- iche Wirkung nur durch das Gestapelte und ihre Frontalität zu einer Ausein-andersetzung führt. Elena Kozlova erhielt ein Aufenthaltsstipendium inner- halb des Austauschprogramms im Grafikenshus Mariefred in Schweden.

Abbildung: „Tops & News“ Öl auf Leinwand, 2005

Seitenanfang