Juli

  Daniela Boltres - Rostock  

geboren 1971 in Bukarest, aufgewachsen in Zeiden/ Codlea in Siebenbürgen/ Rumänien | 1987 Auswanderung nach Deutschland, Abitur in Dormagen | ab 1991 Leben, Arbeiten und Studien in Freiburg, Tübingen, Kronstadt/ Brasov (Rumänien), Berlin, Rostock | Studien hauptsächlich der Germanistik, Evangel-ischen Theologie, Rumänistik in Freiburg, Tübingen und Berlin | Muttersprache Rumänisch, Vater- und Großmuttersprache Siebenbürgisch-Sächsisch; Ar- beitssprachen Deutsch und Rumänisch; sonst noch etwas Spanisch, Eng- lisch, Französisch zum Sprechen und Lesen; wenn ich's brauche: Hebrä- isch, Latein, Griechisch zum Lesen; manchmal kommt es auch zu Übersetz- ungen | Arbeiten u.a.: 2000/01 Kulturkonzepte- und Kulturmanagement als Kulturassistentin in Rumänien für das Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart ifa e.V.; 2000-04 Netzwerkarbeit für die Vereine Rumänisch-Deutscher Kulturverein Kronstadt und Corona-Verein zur Förderung lokaler Initiativen e.V.; seit 2009 selbständige künstlerische Tätigkeit  

Daniela Boltres möchte in Ahrenshoop an ihrem Drehbuch zu einem Lang- spielfilm namens „COLOROM“ arbeiten. Dies ist die Geschichte von George und Josef. Beide werden Öko-Bauern, der eine aus Not, der andere aus Idealismus. Sie scheitern beide, George, weil ihm Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, Josef, weil er keine Ahnung vom Geschäft hat. Am Ende des Filmes besteht die Aussicht, dass sie gemeinsam einen zweiten Versuch starten. Es müssen noch Vorarbeiten für dieses Drehbuch abge- schlossen werden. Dazu gehören einerseits Faktenrecherche (langfristige Umweltbelastung durch Chemiebetriebe/ z.B. durch die Formaldehyd-Produktion des Betriebes COLOROM in Rumänien, durch Gemüseanbau in industriellem Maße in Spanien etc.), andererseits die Reflexion von Diskurs- mechanismen innerhalb der heutigen freien Wirtschaftssysteme und ethisch- en Meinungsbildungsprozesse (wie ethisch ist Bioanbau?). Die beiden wirt- schaftlich handelnden Protagonisten George und Josef erarbeiten sich auf ihrem Lebensweg ihre scheinbar gleiche Handlungsoption (Biobauer zu werden) auf der Grundlage regelrecht gegensätzlicher Urteilsfindung: Idealismus/Weltverbesserung, Notlösung/ Profit, wobei sie natürlich nicht in diesem Schwarz –Weiß -Schema ganz aufgehen.

Abbildung: Teil einer Leseprobe aus dem Romanprojekt „SAKUSKA“ (Arbeitstitel), 2011
  Gudrun von Maltzan - Paris  

geboren 1941 in Schloss Grubenhagen / Mecklenburg |1951 lebt in Berlin |1958-1961 Studium im Lette-Verein Mode und Mode-Illustration, Berlin | 1964-1965 Studium an der Akademie der Bildenden Künste, Klasse Bühnen- bild, München | 1965-1966 Kostümbildnerin an der Landesbühne Schleswig-Holstein | 1966-1969 Aufenthalt in Nancy und Paris, Radierung, Frankreich | 1969-1973 Aufenthalt in Tunesien, unterrichtet an der Ecole des Beaux-Arts de Tunis | 1991-2006 Lehramt an der Kunsthochschule LE Quai, Ecole Supérieure d’Art/Design de Mulhouse, Frankreich |2007 3-monatige Reise zum Zeichnen in Laos, China, Vietnam; Künstlerresidenz Irland « The Cill Rialaig Project » | 2008 1 Monat China zum Zeichnen; 1Monat Japan zum Zeichnen | 2010 1 Monat Japan zum Zeichnen | lebt und arbeitet seit 1973 in Paris | Einzelausstellungen u.a.: 2002 « JUSTE,POUR VOIR-DESSIN(S) », ENAD Limoges-Aubusson site Aubusson und Théâtre de l’Ùnion-cdn Limoges, Frankreich; 2001 « Les pays sages » CEAAC, Strasbourg; Le 19, Centre régional d’art contemporain,Montbéliard,MuséeBaronMartin,Gray, Frankreich | Preise u.a. : 1999 Kunstpreis der Stadt Mulhouse und dem Conseil général du Haut-Rhin ; 1989 1.Preis des Video-festivals von Val-de-Marne,Frankreich

Gudrun von Maltzan zeichnet Bäume die aus dem Nebel wachsen. Sie hat eine ganz eigene Methode gefunden sich der Wirrniss der Zweige und Äste und Blätter und Nadeln zu widmen. Der zu bezeichnende Papierstreifen wird handlich gerollt. Es geht nur in eine Richtung, vertikal oder horizontal, der Baum wird Stück für Stück von unten nach oben abgezeichnet. Ihre Zeich- nung ist ein langsames und behutsames Abtasten. Gudrun von Maltzan verzichtet bewusst auf den großen graphischen Übersichtsplan. Das Objekt wird anhand der kleinsten beobachtbaren Einheiten zusammengesetzt. Der großen Überblickszeichnung misstraut sie. Der Verzicht auf das Panorama bedeutet einen Verzicht von Wertungen. 

Abbildung: Ausschnitt aus „Hallalit“, Zeichnung, 2002

  Theo Nabicht - Berlin  

geboren 1963 in Ebersbach | 1974-81 Besuch der Musikschule Ebersbach (Saxophon, Klavier, Flöte und Klarinette) | 1980-81 Privatunterricht bei W. Hartmann (Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“) | 1983-87 Musik-studium an der Berliner Musikhochschule „Hanns Eisler“ (Klavier, Saxophon, Flöte, Hauptfach Saxophon bei H. Oltersdorf) | 1992 Studien in den USA und Kanada, (Arbeitsstipendium) | 1995-97Bassklarinettenstudium (Meisterklasse) am Conservatoire de Strasbourg in der Klasse von Armand Angster | 1987 -99 Zusammenarbeit mit Bert Wrede im Duo | 1987-95 Mitglied des Orchesters „Vielharmonie“ | seit 1994 Mitglied des „Kammerensembles Neue Musik Berlin“ | seit 2008 „Anubis Trio“ (mit Sascha Friedl und Niki Schlierf) | seit 2008 Mit- glied des Berliner Saxophon Quartetts | seit 2009 „Lo fre“ Trio mit Bernhard Lang und Werner Dafeldecker | seit 2009 „Vessels“ mit Werner Dafeldecker | Stipendien und Preise u.a.: 1991 Studiopreis des Senats für Kulturelle Ange- legenheiten Berlin; 1994 Arbeitsstipendium der Senatsverwaltung (Studium in Kanada); 1099 Förderung des Kontrabassklarinettenfestivals „FÜNF PLUS EINS“ durch den DAAD, der INM, dem SKE Fond Wien; 2009 Junge Ohren Sonderpreis für die „Hörschule“ auf der Kinder Insel Hombrich   

Sein Kompositionsvorhaben betrifft eine Besetzung, in der er schon lange arbeitet. Im Trio mit Sascha Friedl (Flöten) und Nicki Schlierf (Viola) erarbeitet er sich seine Kompositionen, die als Tableaus angelegt sind. In mehreren Schritten entwickelt er die Komposition; schreibt als Erstes eine Vorlage für ein kurzes Stück, dass er dann mit den Kollegen erarbeitet. Durch die Aus- einandersetzung entsteht ein verändertes Bild (Stück), welches er dann wieder fixiert und erneut zur Disposition stellt. Nach mehreren Arbeits- schritten entwickelt er anhand des vorhandenen Materials eine Material- sammlung, der er eine Form für die gesamte Komposition gibt, die dann wieder zur Disposition steht. Mit diesen Vorgängen versucht er so Nahe wie möglich an den Musikern, Ihre Partitur zu entwickeln, die Ausdruck Ihrer Selbst ist und eine selbstverständliche Musizierhaltung hervorbringen. Es entstehen hochkomplexe Strukturen, die extrem leicht daher kommen, ohne die Distanz des Musikers zu dem Material.

Abbildung: Ausschnitt eines Notenblattes aus dem Stück „corruption 1-3“, 2008

  Ólöf Nordal - Reykjavík  

Studierte an der Yale University, New Haven, Connecticut | Studierte an der Cranbrook Academy of Art, Bloomfield Hills, Michigan | Gerrit Rietvelt Acade- my Amsterdam | Diplom am Icelandic College of Arts and Crafts, Reykjavik | Einzelausstellungen u.a.: 2010 Leiðsla. Halgrimskirkja Cathedral, Reykavik; 2009 Three Lambs and a Calf. Gallery Start Art, Reykjavik; 2008 The Presi- dent´s Flagpole. Hrafnseyri, Iceland; 2006 Cock´s Egg IV. Tiere auf Grass- hockern. Kunsthalle Bremerhaven; 2006 Cocks´s Egg III. Gallery Corridor, Reykjavik; 2005 Iceland Specimen Collection. Gallery i8. Reykjavík  

Ólöf Nordal zeichnet bestimmte Paradoxen der Psyche der Isländischen Na- tion, um das Verständnis des Begriffes „kulturelle Aussagekraft“ zu unter- suchen. Mit Skulpturen und Fotografie und sogar Video und Multi-Media Installationen versucht Ólöf Nordal mit ihren Arbeiten die Volkskunde und den Volksglaube und ihre Beziehungen und Kenntnisse zu erkunden. Die Künstlerin ist daran interessiert, was passiert wenn Bilder und Objekte von erzählerischen Strukturen zu klassifizierte Systemen übertragen werden.

Abbildung: „Großer Krabbentaucher“ (great auk), Aluminium, 1998
  Sascha Piroth - Hamburg  

geboren 1971 in Hagen | 2000 Studienabschluß visuelle Kommunikation (Note: 1,6) | anschließend Tätigkeit als freischaffender Grafiker (u.a. für JvM) und als interdisziplinär, mit Kindern und Jugendlichen arbeitender Künstler (diver- se Wandmal- und Fotokunstprojekte; u.a. für Kampnagel, HH) | 2004 Entsteh- ung der ersten Kurzgeschichten /diverse Werksaufenthalte in Mexiko | 2007 Bestenlesung Debütantenbörse (Literaturzentrum), Hamburger Förderpreis für Literatur, IBA - Innovationspreis | Lesungen zu nahezu allen Hamburger Literaturveranstaltungen (Literaturhaus und -zentrum, Literaturquickie, Macht- club, Altonale etc.) | Veröffentlichungen: Im Sünderbus nach Rio Dulce (Kaffe.Satz.Lesen 13-31, Mairisch Verlag); Ich auf Renate, Der Trick mit der Kelle (Hamburger Ziegel 11, Dölling und Gallitz Verlag) | 2009 Beginn der Arbeit am Romandebüt   

Peter Ilias Pan heißt der Protagonist des magisch realistischen, in Deutsch- land und Mexiko spielenden Romandebüts über einen, der sich weigert er- wachsen zu werden. Pans Lebensmotto ist Flucht. Die beginnt Anfang der deutschen Siebziger, am warmen Mangobusen seiner Kindergärtnerin und bleibt fortan sein verlässlicher, stets treuer Begleiter. Hauptsache weg. Ob nun in die lichten Flure ferner Länder, in seine üppige Phantasie oder den warmen Schoß meist wildfremder Frauen, jede Chance mental abzutauchen wird genutzt. Das beschert ihm ein wildes, doch auch sehr einsames Leben. Durch das plötzliche Implodieren einer bizarren, unglücklichen Liebesbe-ziehung gerät Pan jedoch eines Tages in Mexiko, seinem persönlichen Neverland, in einen Sog phantastischer, schmerzhafter wie existenzieller Ereignisse, die ihn schließlich nachhaltig prägen und verändern. Das Ausleben längst vergessener Kindheitsträume und nicht zuletzt die Macht der Liebe scheinen plötzlich nicht nur die Schwerkraft, sondern selbst den allmächtigen Tod besiegen zu können... 

Abbildung: Teil einer Leseprobe aus dem Romanprojekt  „Seelige Idioten“, 2011
  Sonja Vohland - Hamburg  

geboren 1978 in Paderborn | 1999-2009 Studium der Freien Kunst (bei F.E. Walther & Michaela Ott)und der Germanistik, HfbK Hamburg und Universität Hamburg |seit 2009 Mitglied der Künstlerinnengruppe Von Dritten Räumen | Stipendium: 2010 Aufenthaltsstipendium Schloss Plüschow | Ausstellungen u.a.: 2010 Ein Raum ist ein Raum ist..., Elektrohaus, Hamburg; Von dritten Räumen, Kunsthaus Hamburg; 2009 INTER, Einstellungsraum, Hamburg 
2008 Belles et Grace, Hinterconti, Hamburg
 

Zentrales Thema ihrer künstlerischen Arbeit ist die Imagination von Räumlich- keit. Dabei steht die Fragilität von Raumwahrnehmung im Vordergrund. Raum ist keine Konstante, er entsteht und vergeht in der Wahrnehmung. Wahr- nehmen ist keine neutrale Tätigkeit, kein registrierendes Erfassen, sondern zutiefst affektiv und situationsbedingt. Es interessiert sie, mit räumlichem Volumen skulptural zu arbeiten, das im Bereich der Suggestion liegt und sich erst in der Vorstellung des Betrachters realisiert. Die Objekte changieren in der Wahrnehmung zwischen Konstruktion und Dekonstruktion. Ein klares Innen oder Außen ist nicht bestimmbar, bzw. es besteht immer nur für einen Moment, bevor sich diese momentane Sichtweise wieder zugunsten einer neuen auflöst. So wird auch das Sehen – weniger seine physiologische als seine psychologische Seite – zum Thema der objekthaften Arbeiten.

Abbildung: Ausschnitt aus „Mondlicht“ Fotografie, 2-teilig, 2010
UNTERWEGS IM JUNI:
Im Rahmen unseres internationalen Austauschprogramms erhielt Knut Sennekamp im „NES - Artist Residency Skagaströnd“ ein einmonatiges Arbeitsstipendium.
  Knut Sennekamp - Berlin  

Wurde 1980 in Delmenhorst geboren und studierte zuerst Germanistik und Anglistik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, im Jahr darauf an der Freien Universität Berlin. Ab 2003 studierte er Bildende Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und erhielt dort im Februar 2010 sein Diplom. Schon während seiner Studienzeit nahm er an Ausstellungen teil, 2005 bis 2009 jedes Jahr am Rundgang der HGB Leipzig und im letzten Jahr auch in der HFBK Hamburg. 2009 erhielt er den Kunstpreis der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg.  

Für seine Motive braucht Knut Sennekamp die Möglichkeit, neue Orte zu er- kunden, kennen zu lernen und trotz vorheriger Bilder im Kopf neu zu definier- en. Er dokumentiert nicht feste Orte oder Geschehnisse, für ihn ist viel mehr die Reise der Grund, der Weg möglicherweise schon das Ziel. Er begreift die Bewegung als Motiv und Strategie der Bildfindung, wodurch es für ihn nötig ist, in Bewegung zu bleiben. Er gibt dem Betrachter seiner Bilder neue Mög- lichkeiten der Interpretation banal erscheinender Dinge, neue Wichtungen für Begebenheiten, die im Alltag unterzugehen scheinen. Es ist, als wäre er auf der Suche und macht Außenstehende zu Zuschauern, die dabei auf eine ganz eigene Reise gehen können.

Abbildung: Ausschnitt aus „BOOTH“, Bromgelatine print, 2009
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