Juli

  Jens Brand - Komposition/Installation  

geboren 1968 in Dortmund | 1987-1994 Studium "Freie Kunst" an der Kunst- akademie Münster | 1992 Gründung der Künstlerinitiative „mex e.V.“ in Dort- mund | seit 1992 Performances und Ausstellungen im In- und Ausland | 2006 Artist in Residence, qo werkhuis Brüssel | 2007 Edith-Russ Stipendium für Medienkunst | 2008 Aufenthaltsstipendium des Goethe Instituts China | 2009 Honorary Mention, Prix Ars Electronica, Linz | lebt und arbeitet in Berlin  

Die Arbeiten von Jens Brand umfassen den Bereich der Neuen Medien, Klangkunst und zeitgenössische Musik. Während seines Studiums an der Kunstakademie Münster, wandte er sich unter dem Einfluss von Phill Niblock und der Erfahrung von Performances am Het Apollohuis der Experimentellen Musik und Klangkunst zu. Seither entstanden eine Vielzahl von Installationen, Musik-Performances und Intermedia-Arbeiten. Dabei bewegen sich seine Werke oft an den Grenzen der Genres Installation und Performance. In jüngerer Zeit treten neben reinen installativen Musikstücken, kunsttheoret- ische Arbeiten. Der Künstler bedient sich digitaler Mittel, Videos, Klang und zeitgenössischer Kompositions- und Kommunikationsformen. Form und Stil sind in seinen Werken dem Inhalt untergeordnet, der von allgemeinen ästhetischen Problemen der Gegenwartskunst bis zu politischen und sozialen Fragen reichen kann. In letzter Zeit hat sich Jens Brand mit Klängen beschäftigt, die als „abwesend“ wahrgenommen werden und mit der Abwesenheit, die in Werken erzeugt wird.

Abbildung: Ausschnitt aus „N 35°53.140' - E 099°57.955' / 18h“ Videostill aus der Installation „HUM/吽 (24 h, Qinghai, China)“ 24-stündige Videoschleife, 2008

  Sofi Hagman - Grafik  

geboren 1952 in Schweden |1972-1973 Keramikdesign an der Schule für gestaltendes Arbeiten Capellagården, Schweden | 1973-1978 Kunstschule Göteborg | 1978-1980 Kunstakademie Kraków in Polen | arbeitet seit 1990 in einem Studio in Lund | 2004 Statutory Award of the ministry of culture | Majdanek, gemeinschaftlicher Workshop in Malmö | lebt und arbeitet in Lund

Sofi Hagman benutzt für ihre Grafiken verschiedene Drucktechniken und Formate. Außerdem entdeckt sie für sich die Welt mit Fotografien und Zeichnungen. In einem ehemaligen Krankenhaus für psychisch erkrankte Patienten hat die Künstlerin zusammen mit anderen ihr Atelier. Kollektiv setzen sie sich mit der Geschichte des Gebäudes auseinander. Sie forschen und interpretieren Themen, die sie im Zusammenhang mit dem Ort vorfinden. Zum Beispiel geht es um bekannte Personen, Dichter, Künstler, die dort behandelt wurden, oder sie verwenden alte Briefe von Patienten an ihre Familien. Auch der dazugehörige Garten bietet eine ungewöhnliche Botanik, die sie inspiriert. Sofi Hagman stellt bei Biennalen und Triennalen in verschiedensten Ländern aus und hat Einzel- und Gruppenausstellungen.

Abbildung: Ausschnitt aus „Karmen II“ Radierung, 100 x 70cm, 2011

  Kristveig Halldórsdóttir - Textil/ Installation  

geboren 1964 in Reykjavík | 1993 Absolventin der Isländischen Kunsthoch- schule | 1996-1998 Kunsthochschule Oslo | seit 1999 verschiedene Aus- stellungen in Reykjavík, Norwegen, Schweden, Finnland und den USA | 2004 Haystack Stipendium der amerikanisch-skandinavischen Stiftung mit Studium an der Haystack Mountain School of Art and Crafts, Main | 2009 Mitglied im Organisationsteam des Textilateliers in Korpúlfsstaðir | seit 2009 Direktorin und Inhaberin von Gullkistan, einer Residenz für Künstler in Laugarvatn, Island | Textilkünstlerin und Kunstlehrerin | lebt und arbeitet in Reykjavík
 

Kristveig Halldórsdóttir arbeitete zunächst mit Textildruck. Während ihres Studiums in Norwegen widmete sie sich zunehmend dem handgemachten Papier und verschiedenen Pflanzenfasern. Zurück in Island wandte sie sich neuen Techniken zu, wie Fotografie und Computergrafiken. Heute beschäftigt sie sich auch mit Video, Stopp-Motion und Mustern von Textilarbeiten. Sie gedenkt dabei ihren weiblichen Vorfahren, die trotz schlechten Bedingungen wunderschöne Dinge für ihre Familien und Häuser fertigten. Sie waren sehr talentierte und geschickte Frauen, auf die Kristveig Halldórsdóttir sehr stolz ist. Sie greift das Erbe auf und entwickelt es für sich weiter.

Abbildung: Ausschnitt aus „papyrus“ (Rhabarber) aus Gemüse hergestelltes Papyrus, 2001 

  Anastasiya Nesterova - Grafik  

geboren 1979 auf der Halbinsel Krim, Ukraine | 1999 Kunststudium in Odessa | 2005 bis 2009 Studium bei Prof. Wolfgang Troschke mit Schwerpunkt Druck- grafik an der Fachhochschule Münster | jährliche Teilnahme an der Deutsch-Niederländischen Grafikbörse Borken | 2009 Stipendium des DAAD | 2010 Ausstellung durch die Nationale Künstlervereinigung der Ukraine | 2011 Arbeitsstipendium im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz | Gestaltung und Herstellung von Künstlerbüchern | lebt und arbeitet in Münster

Für ihre Grafiken verwendet Anastasiya Nesterova verschiedene Materialien, sie zeichnet auf Papier und Stein, kratzt auf Metall und schneidet in Holz. Die groben Strukturen und starken Kontraste des Holzschnitts, der raue, ur- sprüngliche Charakter des Materials sind wie geschaffen, um in kräftigen absurd-komischen Bildern die satirisch grotesken Bücher von Autoren wie dem russischen Dadaisten Daniil Charms zu illustrieren. Sie will sich an den Möglichkeiten der druckgrafischen Umsetzung verschiedener Textgattungen und –Stile ausprobieren und experimentiert mit mehrsprachigen Texten. Aber Anastasiya Nesterova setzt auch Motive aus der deutschen Schwerindustrie oder aus den Hinterlassenschaften der sowjetischen Planwirtschaft in auf- wendigen handgefertigten Künstlerbüchern um. Daneben entstehen zarte Farbexperimente und filigrane Radierungen, Siebdrucke, Zeichnungen und Lithografien.

Abbildung: Ausschnitt aus „Abstraktionen“, Farbholzschnitt, 2008

  Jürgen Paas - Skulptur/ Installation/ Malerei  

geboren 1958 in Krefeld | 1981-1987 Studium an der Hochschule Essen | 1991-1992 Studium an der Kunsthochschule Paris | 1989-1991 Stiftung Cité International des Arts Paris | 1991-1992 DAAD-Stipendium für Frankreich | 1992-1994 Arbeitsstipendium der Sutter-Gruppe Essen | 1995-2002 Dozent für „Bildnerische Experimente“ an der Hochschule Essen | 2001-2003 Lehr- tätigkeiten an der Universität Dortmund und an der Universität Köln | 2006 Sickingen Kunstpreis | diverse Ausstellungen in Deutschland, Kanada, Österreich und der Schweiz | 2012 Ausstellung „Blue Moon“ in der Cor Galerie Zürich | lebt und arbeitet in Essen  

Jürgen Paas arbeitet vor allem mit Farben und Flächen. Seine Installationen werden dem Raum entsprechend angeordnet und laden den Betrachter ein, sich zu bewegen und den Blickwinkel zu ändern. Tut man dies, entdeckt man halb Verborgenes in seinen Kunstwerken, Teile, die man nie ganz sieht, weil sie verdeckt sind. Es gibt Spannungsverhältnisse und Widersprüche: Das industriell Gefertigte gegenüber der extensiven Handarbeit, serielle Form- prinzipien der Minimal Art gegenüber dem Einmaligen und Unwiederholbaren des Gemalten, symphonischer Zusammenklang von Unzusammengehörigem und die Qualität von Bildern, die unsichtbar hinter anderen verschwinden. Jürgen Paas gelingt es, mit hoher handwerklicher Präzision Gegensätze fruchtbar werden zu lassen. 2009 war im Kunstverein Ruhr seine raumfül- lende Arbeit „Hyperarchiv“ zu besichtigen. Der Ausstellungsraum ist ein riesiges, bis zum Rand gefülltes Depot seiner Werke. Für den Besucher ist es ein physisches Erlebnis, dieses Labyrinth aus Skulpturen und gestapelten Bildern zu durchwandern. Diese überbordende Fülle ist eine gelungene Reaktion auf die Leere, die die Gedanken der Künstler und Kunstkritiker in den 1960er Jahren anregte.

Abbildung: Ausschnitt aus „Helix Farben“, Acryl auf Wand, PVC-Farbbänder, Alu-Wellen, 220 x 220 x 25 cm, 2007
Seitenanfang