Juni

  Natalia Agulnik - Tanz  

geboren 1954 in Kemerovo (Russland) | 1992 Gründung der Tanzkompanie Dance Theatre Incluse | Seit 1994 Leitung des jährlichen Tanzfestivals Trans Tranzit | 2005 Deutschlandspremiere Deportation bei der Euro-Szene in Leipzig | 2011 The City, Choreografie von Natalia Agulnik, Tanzkompanie Dance Theatre Incluse | Beteiligung an Festivals in Deutschland, Weißruss-
land, Litauen, in der Tschechische Republik, Polen, Deutschland und Russland
 

Natalia Agulnik ist Tänzerin und Choreografin. Ihre Arbeit gibt der klassisch- traditionalistischen Ausrichtung des russischen Tanzes eine zeitgenös- sische, moderne Prägung. Ihr Lebenswerk betrifft das Thema der deutschen und russischen Vergangenheit und die geschichtsträchtige Thematik des Zweiten Weltkrieges steht im Mittelpunkt. In der von ihr choreografierten Tanzperformance Deportation stellt sie die Vertreibung der deutschen Bevölkerungen aus den Städten in der zweiten Hälfte der vierzigen Jahre auf der Bühne dar, wobei Bezüge auf die heutigen Vertreibungen entstehen. Behutsam, fast sparsam erzählt sie tänzerisch und lässt die Grenzen zwischen Gestern und Heute verwischen.

Abbildung: Ausschnitt eines Szenenfotos aus „Deportation“, aufgeführt von Dance Theatre Incluse, Kaliningrad; Choreografie: Natalia Agulnik; Foto: Vladimir Lupovskoy, Kaliningrad; 2005

  Magdalena Buchwald - Komposition  

geboren 1972 in Złotów, Polen | 1992 Studium der Musikwissenschaft an der Universität Posen | 1993-1999 Kompositionsstudium an der Hochschule für Musik Posen | 1997-1998 Auslandsstudium im Fach Musiktheorie und Neue Medien an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart unter anderem bei Helmut Lachenmann | 2001 bis 2004 Studium der Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main | seit 2003 Mitglied der DEGEM | 2009 - 2012 Mitglied der Jury des kanadischen Kompositionswettbewerbs für elektroakustische Musik | lebt in Köln  

Magdalena Buchwalds Werke umfassen elektroakustische Musik und Orchester-, Solo-, Kammermusik. Sie entwickelt interdisziplinäre Werke mit Verwendung elektroakustischer Medien, Video, Theater, Ballett, Installation und Performance. Sie ist Mitglied der IRCAM-Diskussionsgruppe „Musik-speech“, sie interessiert sich für die phonetischen Möglichkeiten der Sprech-stimme. Dazu gibt es schon einige Kompositionen, bei denen sie diese aus- kundschaftet. Bei „Doppelaufnahme“ für verstärkte Sprechstimme und Zu- spielungen wird das gleichnamige Gedicht des litauischen Lyrikers Tomas Venclova verwendet. Einem nördlichen Dichter, geboren und aufgewachsen an der Ostsee. Von der Atmosphäre dieser monochromen Landschaft und ihren grauen, trüben Farbtönen möchte Magdalena Buchwald sich inspirieren lassen.

Abbildung: Ausschnitt aus „...vom Klang blättert Schatten ab“ für Sprechstimme und 4-Kanal-Zuspielung (2003-05) Text: Tomas Venclova

  Tina Flau - Künstlerbuch/ Grafik / Installation  

geboren 1962 in Scharnebeck | 1981-1988 Landwirtschaftliche Lehre im ökologischen Landbau und Studium der Agrarwirtschaft | 1988-1991 Studium der Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Alfter bei Bonn | seit 1989 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen | 1991-1992 Studienreise durch Spanien | 1993-1997 Dozentin in der Erwachsenenbildung für Malerei und Grafik | 1994-1999 Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden | 1999 Hegenbarth-Stipendium | 1999-2001 Meisterschülerin und Tutorin bei Prof. Ulrike Grossarth | seit 2001 frei- schaffende Künstlerin in Potsdam | 2001 Kunstpreis Neues Kunsthaus Ahrenshoop | 2004 Stipendium des Landes Schleswig-Holstein im Künst-lerhaus Eckernförde | 2005 Künstlerbuchpreis, Neues Kunsthaus Ahrens- hoop | 2010 Grafik-Stipendium Schloss Haldenstein, Schweiz | lebt und arbeitet in Potsdam

Die Farbtiefdrucke von Tina Flau besitzen eine starke Leidenschaft und Intensität. Das Anfertigen solcher Bilder ist langwierig und aufwendig. Jeder Strich, der in die Platte geritzt wird, ist ausschlaggebend für den Ausdruck. So gibt es bei ihr keine beiläufigen Züge, keine zufälligen Linien oder Flecke. Alles ist entschieden, unbedingt formuliert. Entsprechend besitzt der Druck kontraststarke grafische Linien, Flächen und farbige Tiefen. Bei ihren Installationen arbeitet sie mit alltäglichen Dingen, die sie beispielsweise in „Wunderkästen“ oder in einer „Imaginären Boutique“ neu in Szene setzt. Auch in der landschaftsbezogenen Kunst ist sie tätig. So kann man zum Beispiel seit 2006 in Chemnitz die Pflanzen-Kunst „Lustgarten“ sehen. Besonders faszinieren ihre Bücher. Es sind Schatzkammern ihrer künstlerischen Weltsicht: poetisch, geheimnisvoll, mitunter rätselhaft, von berauschender Farbigkeit, mit eigenen Texten, selbst gedruckt, selbst gebunden, immer im Dialog von Wort und Bild. Sie bedient sich in gewisser Weise des Allzube- kannten, um wieder Ausflüge in den Bereich der Phantasie zuzulassen. Farbintensiv und hell strahlen die Arbeiten von Tina Flau heitere Sinnlichkeit, Lebensfreude und Lebenslust aus.

Abbildung: Ausschnitt aus „Meeresbrandung“ Künstlerbuch zu einem Gedicht von Christian Morgenstern, 200

  Georg Klein - Prosa (Ehrengast)  

geboren 1953 in Augsburg | studierte Germanistik | seit 1984 Veröffentlich- ungen von Prosa | 1999 Brüder-Grimm-Preis | 2000 Auszeichnung mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis | 2004 „Poet in Residence“ an der Essener Uni- versität | 2010 Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik für „Roman unserer Kindheit“ | lebt im ostfriesischen Ort Bunde  

Georg Klein schreibt Romane und Erzählungen. Ein untergründiges Leitmotiv ist der Kulturkampf, der als zwangsneurotisches Kraftwerk aus den unbe- kömmlichsten mythologischen Zutaten Identitätsangebote schafft. Das Eigene und das Fremde stehen sich gegenüber. Der Autor geleitet uns in eine dü- stere, sarkastische Zukunft, in der wir unsere Gegenwart als Vergangenheit wahrnehmen. Seine Literatur eröffnet Erkenntnisdimensionen, die nicht selten den Deutungsehrgeiz des Lesers schürt. In seinen brillanten allegorischen Erzählungen ist Georg Klein ohne jede pädagogische Botschaft ein fundamentaler Gesellschaftskritiker.

Abbildung: Detail einer Leseprobe aus dem Roman „Roman unserer Kindheit“, 2010

  Oskar Schmidt - Fotografie  

geboren 1977 in Erlabrunn | 1998-2002 Studium der Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle | seit 2001 eine Vielzahl von Ausstellungen in Halle, Leipzig, München, Bremen, London, New York, Barcelona, Wiesbaden, Düsseldorf, Stuttgart, Rostock und Frankfurt | 2002 Kunstförderpreis der Stadtwerke Halle/Leipzig | 2002-2006 Studium der Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig | 2006-2008 Meisterschülerstudium bei Prof. Timm Rautert | 2009 Nachwuchsförderpro- gramm „Talents“, C/O Berlin | lebt und arbeitet in Leipzig und Berlin

Oskar Schmidt fotografiert mit einer analogen Großformatkamera und verhält sich dabei wie ein Maler. Um die Grenzen des Fotografischen sichtbar zu machen vernachlässigt er die spezifischen Eigenschaften seines Mediums und zieht die gestellte Realität der ungestellten vor. Er bestellt seine Modelle fast immer mehrmals um einen ganz bestimmten Ausdruck zu perfektionieren. Auch die Räume wählt er sorgfältig aus. Sie sind leer, aber nie steril, die Textur des Bodens ist wichtig. Es sind Darstellungen von der Auseinander- setzung und Arbeit am Bild. Oskar Schmidts Fotografien wirken überkom- poniert hinsichtlich der Belichtung und des gegenständlichen Arrangements. Sie zeigen nicht mehr die Realität im Fluss, sondern bringen ihre Elemente in einen Formzusammenhang, der an Gemälde erinnert.

Abbildung: Ausschnitt aus „Mädchen mit Buch“, C-Print, 2005

  Mindaugas Valiukas - Prosa/ Lyrik  

geboren 1976 in Arnionys, Litauen | Studium der Litauischen Philologie und Regie an der Universität Klaipėda | 1996 Preisträger des Lembertas-Wettbe- werbs | 1999 Zigmas Gaidamavičius-Gėlė-Preis für das beste Debüt für Mėnulio keramika | Übersetzungen seiner Gedichte ins Russische, ins Eng- lische und andere Sprachen | arbeitet als Autor und Dramatiker in Klaipėda  

Mindaugas Valiukas schreibt Lyrik, Prosa und Stücke für das Theater. Derzeit arbeitet er an Kurzgeschichten für einen Erzählband mit dem Titel „Lietuvos psichopatas“ (Litauischer Wahnsinn), Geschichten, die in ungewöhnlichen und unerwarteten Situationen spielen und die durchdrungen sind von schwarzem Humor und satirischen Elementen.

Abbildung: Leseprobe „Kaffee auf der Terrasse einer fremden Stadt. Nebel“, Gedicht
  Melanie Wiora - Fotografie  

geboren 1969 in Waiblingen | 1990-1996 Studium an der Kunstakademie Karlsruhe | Auslandsstudium an der Ecole des Beaux Arts de St. Etienne, Frankreich | 1997 Studienaufenthalt in Sydney | 2001-2002 Postgraduierten Studium Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe | Stipen-dien/Preise (Auswahl): 2002 2. Preis des Saar Ferngas Förderpreises „Junge Kunst“; 2003 DAAD-Stipendium New York; 2004 1. Preis des Digital New Art Award „Plug Out“; Stipendium der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen; 2005 /06 DAAD-Stipendium London | Einzelausstellungen (Auswahl): 2005 Goethe Institute Damaskus, Syrien und Casablanca, Marokko; Hospitalhof Stuttgart; 2006 Brotfabrik Galerie, Berlin; 2007 Junge Kunst e.V. Wolfsburg; Fotoforum West, Innsbruck, Österreich; 2008 Essenheimer Kunstverein; 2010 Kunstver- ein Saarbrücken; Kunstverein Ingolstadt; Galerie Christa Burger, München; 2011 Hohenloher Kunstverein | Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl): 2005 Kunsthaus Essen; 2006 Photokina Köln; 2007 Wiesbadener Fototage; Goetz Palace, Krakau, Polen; 2008 Gerisch-Stiftung, Neumünster; 2009 Haus der Kunst der Stadt Brünn, Tschechien; 2009/2010 Centro di Cultura Contempo- ranea Strozzina Palazzo Strozzi, Florenz, Italien | lebt und arbeitet in Köln  

Eines der zentralen Themen in Melanie Wioras Arbeit ist die Beziehung zwischen der mentalen Welt und der Möglichkeit ihrer fotografischen Wiedergabe. Die Künstlerin erforscht die Verbindung zwischen Wirklichkeit, Bild und der Wahrnehmung des Betrachters – Elemente, deren Wechselspiel die Natur der Fotografie bestimmt.

Abbildung: Ausschnitt aus „Natura II“, Lambda Print, Diasec, 2010
www.melaniewiora.de

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