Mai

  Linnéa Carlsson – Skulptur, Installation und Zeichnung  

1999-2000 Studium an der Kunsthochschule Göteborg, Schweden | 2000- 2002 Kunstschule Gerlesborg, Bohuslän | 2002-2008 Studium an der Kunst-akademie Malmö | 2008-2009 Iaspis Aufenthaltsstipendium in Stockholm | 2010 Jahresstipendium von dem schwedischen Ausschuss für Kunststipendien | seit 2010 Mitglied der tourenden Theatergruppe „Institutet“ | 2010 Ausstellung „The Troops are Coming!“ in der Galleri 5, Lund | lebt und arbeitet in Malmö  

In Linnéa Carlssons Bildersprache befinden wir uns genau gegenüber dem Objekt, dem Menschen, der Welt. Sie nähert sich der magischen Ausdruckskraft von Kultobjekten, bildet ihre Leuchtkraft jedoch neu und lässt so etwas völlig Unerwartetes aufscheinen. Durch direkte Adressierung legt sie jegliche ideologisch beeinflusste Konzeption ohne große Beachtung beiseite. Ihre Methoden überraschen und ihre Arbeiten haben eine starke Überzeugungskraft. So erschuf sie beispielsweise ein riesiges hölzernes Katapult: „Skulptur, die eine Waffe ist“. Mit einer simplen Geste könnte man den Stein durch die Wand der Galerie befördern. Es gibt keine weitere Beschreibung, keine Erklärung. Der sorgfältige Betrachter sieht sich direkt konfrontiert. Das gespannte Katapult befördert den Besucher in eine Habachtstellung, jeden Moment könnte er zusammen zucken. Ähnlich bei ihrer Skulptur „Das Pendel“. Dem Beobachter wird nicht gleich bewusst, dass etwas nicht stimmt. Der dunkle Raum lässt eine nähere Betrachtung erst nach einiger Zeit zu. Wir sehen das Pendel hin und her schwingen. Erst dann bemerken wir vielleicht, dass es viel langsamer als gewohnt tickt, nicht 60 Mal in der Minute, wie wir es gewohnt sind, sondern nur 39 Mal. Und schon sind wir mittendrin in einer Entschleunigung. Linnéa Carlsson spielt mit den Erwartungen, die wir als Betrachter haben. Oft erkennen wir erst beim zweiten Mal hinschauen, wie sie bei ihren Arbeiten gegen die Konventionen oder alltäglichen Vorstellungen angeht. Oft meinen wir ja zu sehen, was wir glauben. Dann stellt sich eine Unbehaglichkeit oder Befremdlichkeit beim Publikum ein.

Abbildung: Ausschnitt aus der Installation „The Troops are Coming!“, 2011

  Kathrin Hoffmann - Malerei  

geboren 1977 in Laubach, Hessen | 1998-1999 Besuch der Fine Art Class am Mesa Community College, Phoenix | 1999-2000 Studium der Kunstgeschichte und der Psychologie an der Goethe Universität Frankfurt/Main | 2000-2005 Studium der Freien Kunst an der Muthesius-Hochschule Kiel | 2005-2007 freischaffende Künstlerin in Kiel | seit 2005 verschiedene Ausstellungen in Kiel, Berlin und Hamburg | seit 2008 freischaffende Künstlerin in Hamburg | 2009-2010 Stipendium des Landesverbandes Lippe Schwalenberg | 2010 Förderpreis der Hollfelder Kulturfreunde | 2012 Ausstellung „Monomythos“ im Kunstraum Vincke-Liepmann Heidelberg | lebt und arbeitet in Hamburg

Kathrin Hoffmann malt fotorealistische Gemälde. Als Vorlage dienen ihr auf verschiedene Art entstandene Fotografien, Abbildungen von Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld in alltäglicher Kleidung. Die Figuren sind ein wesentliches Bildelement, die die Weite der Landschaft hervorheben und durch ihre in Betrachtung versunkene Haltung oder ihren Ausdruck des nach innen gekehrten Seins bestimmte Stimmungen transportieren. Das Potential dieser Stimmungen, die an die romantische Epoche erinnern, möchte die Künstlerin sichtbar machen. Somit untersucht sie mit Ironie die Grundthemen der Romantik auf ihre Beständigkeit im Zeitalter der Reproduzierbarkeit des Bildes. Sie transformiert auf eine undramatische Art die zeitlosen Landschaften mit ihrem sehnsüchtigen Anstrich in unsere Zeit. Dabei schmälert sie in keiner Weise die Ruhe und meditative Wirkung ihrer Bilder. Die zum Teil surreal anmutenden Orte verweisen auf die eigene Wirklichkeit des Bildes. So schafft sie beispielsweise in Bilderpaaren unter dem Titel „Ich bin in der Überzahl“ zwei Ausschnitte einer Landschaft, in der sich jeweils derselbe Mensch befindet.

Abbildung: Ausschnitt aus „couch“, Öl auf Leinwand, 100 x 160 cm, 2009

  Martin Koroscha - Malerei  

geboren 1959 in Korbach | 1991-1995 Studium der Kunsttherapie und Kunst- pädagogik an der FH Ottersberg | seit 1993 freiberufliche Tätigkeit als Kunst- pädagoge und Künstler | verschiedene Ausstellungen in Bremen, Riga, Halle/ Saale und Nürnberg | seit 1997 Mitglied im BBK Bremen | seit 2001 Dozent an der VHS Lilienthal - Worpswede | 2006 Preisträger der 28. Internationalen Hollfelder Kunstausstellung | 2007 Gründung der Künstlergruppe TetraPack | 2007-2010 Dozent im Künstlerhaus Spiekeroog | 2009 Initiator vom Hemelinger Kunstnetz | 2011 Mitglied von kunstmix – der Produzentengalerie in Schnoor, Bremen | lebt und arbeitet in Bremen

Martin Koroschas Bilder suggerieren Sachlichkeit, gaukeln Klarheit vor und sind doch tendenziell surreal. Vor allem bleiben sie immer Bild und scheinen sich über solche Kunst lustig zu machen, die im Abbild eine Annäherung an die Vorstellung sehen, die allein das Wesen der Dinge ausgemacht. In seinen Bildern sieht man Beziehungen zwischen Innen- und Außenräumen. Es sind nicht Fotografien, die als Vorlagen für seine Landschaften dienen, seine Werke entstehen aus der Erinnerung heraus. Was wie am Computer animiert erscheint, wird auf der Leinwand konstruiert. Er überzeichnet die Perspektive, schafft extreme Schrägen und Achsen für seine Raumillusionen. Seine Bilder wirken kühl und fremd, bedingt wohl auch dadurch, dass er vollkommen auf Schlagschatten verzichtet und die unterschiedliche Materialität der Bildgegenstände egalisiert. Martin Koroscha beschäftigt sich mit der Frage, wie sehr ein Abbild einer Landschaft reduziert werden kann, ohne den Wiedererkennungswert zu verlieren.

Abbildung: Ausschnitt aus „4-09 III“, Acryl auf Baumwolle, 60 x 80 cm, 2009,

  Vivienne Newport - Tanz  

geboren in England | Tanzstudium in London | 1973-1981 Protagonistin am Wuppertaler Tanztheater und enge Mitarbeiterin von Pina Bausch | 1981 gründete eigene Gruppe „Company Vivienne Newport“ am Theater am Turm in Frankfurt/ Main | seit 1982 verschiedene Choreografien für Schauspielstücke, Revuen, Musicals und Opern am Tanztheater in Münster und Kassel, der Bayrischen Staatsoper München, Opera de la Bastille Paris, Oper Zürich, Royal Opera House London, Sydney Opera und bei den Salzburger Festspielen | lebt und arbeitet in Berlin  

Als Vivienne Newport 1981 ihre eigene Arbeit begann, entwickelte sie sehr schnell eine ganz eigene Tanztheaterästhetik. Oft kann sich die Poesie ihrer Choreographien in malerischen und ungewöhnlichen Bühnenräumen entfalten. Wenn man in ihre Stücke eintaucht, sich ihre Sprache zu eigen macht, dann erlebt man zauberhafte, einzigartige Abenteuer mit Musik, Literatur, Sprache, Bewegung und mit Menschen. Ihre Produktionen nähern sich der Wirklichkeit von einem bestimmten Ort aus, der bald in Vergessenheit gerät. Am Ende sieht man sich den wieder gegenüber und wundert sich über die Wege, die man inzwischen zurückgelegt hat. Durch Vivienne Newport gewinnt das deutsche Tanztheater an französischem Esprit und englischem Humor.

Abbildung: Ausschnitt aus „a time still passing“, Tanzkompanie Vivienne Newport, 2009
  Silke Peters - Lyrik  

geboren 1967 in Rostock | 1985-1990 Lehramtstudium für Mathematik und Geographie an der Universität Greifswald | 1992- 1993 Luftbildinterpretin in Waren | 1998-2002 Studium der Philosophie und der Neuen Deutschen Literatur an der Universität Greifswald | 2000 „Wassernüsse vermisst“, Gedichtband | 2002-2004 Mitarbeit in der Redaktion „Wiecker Bote“ | 2008 Veröffentlichung Gedichtbands „Parnassia“ | 2009 Gründung der Autorinnengruppe „tEXTRAbatt“ und Aufbau einer Lesebühne in Stralsund | 2009 2. Feldkircher Lyrikpreis in Östereich | 2010 Herausgabe „Kleine Lyrikreihe“ beim Mückenschweinverlag, Stralsund | arbeitet als Lehrerin und für Naturschutz- und Kunstprojekte | lebt in Stralsund  

Die Autorin schreibt und veröffentlicht experimentelle Texte, in denen sie die Realität in kleinste Teile, in ihre lyrische Substanz aufspaltet und neu verbindet. Ihre Arbeiten sind rau und heterogen wie die Wirklichkeit selbst. In ihrer stimmlichen Realisierung lassen sie jedoch auch Sanftes spüren. Die Texte schillern und schweben durch die verschiedenen Bedeutungsebenen, erzeugen emotionale Turbulenzen und bringen den Leser in einen Zustand des Nichtverstehens. Dieser setzt ein, wenn der Stress des Alltags vergessen ist und der lyrische Genuss beginnt. Und plötzlich scheint nichts mehr selbstverständlich.

Abbildung:  Leseprobe aus dem Gedichtband „Parnassia“, 2008

  Ágúst Borgþór Sverrisson - Prosa  

geboren 1962 in Reykjavík | 1983-1984 Studium der Germanistik und Literatur an den Universitäten Berlin und München | 1990 -1992 Studium der Philoso- phie und Germanistik an der Universität Island | 1994 und 2000 1. Preis beim Wettbewerb von MENOR und der Dagur Zeitung  | 2001 1. Preis des Kurzge- schichtenwettbewerbs auf Strik.is | 1988 und 2008 Schriftstellerstipendium vom Staat Island | arbeitet als Journalist, Werbetexter, Übersetzer und Autor | lebt in Reykjavík
 

Ágúst Borgþór Sverrissons Stil ist einfach und klar, bildreich und mit alltäg- lichen Gegebenheiten gespickt. Er wird als Islands Meister der Kurzge- schichte angesehen. Seine Werke gehören zur realistischen Gegenwarts-literatur und werden oft mit dem amerikanischen Kurzgeschichtenautor Raymond Carver verglichen. Im Mittelpunkt stehen beispielsweise Kinder, die in zerstörten Familien aufwachsen oder depressive Menschen der oberen Mittelschicht. In seinen Erzählungen gibt er Einblicke in die Labilität des Lebens, die Zerbrechlichkeit flüchtiger Gelegenheiten. In der Anonymität des Großstadtlebens machen Versehen, Irrtümer und Missverständnisse seine Geschichten aus. Er legt große Zuversicht in unerwartete Geschenke des Zufalls, die eine andere Sicht auf die Dinge ermöglichen, die neue Geheimnisse aufdecken oder sogar eine zweite Chance bieten.

Abbildung: Leseprobe aus dem Roman „Hliðarspor“ 2007
UNTERWEGS IM MAI:
Im Rahmen unseres internationalen Austauschprogramms erhielt Katharina Kamph im „NES - Artist Residency Skagaströnd“ in Skagaströnd/Island ein einmonatiges Arbeitsstipendium.
  Katharina Kamph - Skulptur/Grafik  

geboren 1983 in Hamburg | 2003-2008 Studium der Freien Kunst, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig | 2008 Meisterschülerin bei Prof. Heinz-Günther Prager | 2008 Vortragsreihe „5 zum sehen“ zu Motiven, Strategien und Hintergründen im eigenen künstlerischen Schaffensprozess im Kunstverein Braunschweig | 2009 1. Preis des Zonta Clubs St. Barbara Goslar für Nachwuchskünstlerinnen | 2011 Jahresstipendium des Landes Niedersachsen | lebt und arbeitet in Berlin  

Katharina Kamph arbeitet vorwiegend mit Papier. Ihr künstlerisches Schaffen reicht von geschnittenen Zeichnungen, über gefaltete Skulpturen oder kleine Grafiken bis zu großformatigen Zeichnungen und Rauminstallationen. Sie verbindet Skulptur und Grafik miteinander. Ihr gefallen Mischwesen und Hybride, die man nicht klar kategorisieren kann. Beispielsweile hat die Künstlerin ein Buch erarbeitet, das man selbst zu einer Skulptur zusammen- stecken kann. Schlägt man die Seiten auf, ergibt sich ein komplett grafisches Bild. In ihnen steckt die Möglichkeit der Verwandlung und der Transformation. In ihren Werken spielt auch die Vergänglichkeit des Materials eine Rolle. Bei aller geometrischen Stabilität sind die Objekte in Hinblick auf ihre taktile Qualität zerbrechlich und neigen zu vergilben.

Abbildung: Detail von o.T. gefaltetes Papier, Holztisch, 165 x 100 x 90 cm, 2008
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