November

  Soffia Sæmundsdottír – Malerei/ Zeichnung  

1965 geboren | 1980 - 84 Studium am Sund College; 1985 Wiener Kunsthochschule; 1986 Reykjavik Artschool; 1987- 91 Icelandic College of Arts and Crafts, BFA; 2001- 03, Mills College, Oakland, California | 2004 „Artist in Residence“ in Leighton Studios/ Banff center, Kanada; 2011 „Artist in residence” in Varnahlid, Hveragerdi | 2000 und 2003 Reisestipendien des isländischen Ministeriums für Bildung und Kutlur; 2003 Preis „Malerei und Skulptur“ der Joan-Mitchell-Stiftung; 2010 Stipendium Myndstef, Hafnarfjordur Culture | Einzelausstellungen u.a.  2006 Rætur/Roots, Fold Gallery; 2008 Vistaskipti, Kresben Gallerie; 2011 Fold Gallery | Gruppenausstellungen u.a. 2004 draw_drawing. Gallery 32/ London Biennale; 2005 Summer, Galleria Zero, Barcelona; 2010 Sofitel Galerie, Straßburg; 2011 Glimt fra Island, Gallery Sagoy

Soffia Saemundsdottirs Werke sind von Landschaften, Natur und Geschichte beeinflusst. Durch ihre Kunst erkundet sie Orte und befragt sie, um deren unerzählte Geschichten zu enthüllen. Sie offenbart dabei die unsichtbaren Fäden zwischen den Menschen und den Geschichten der Orte. Ihre Arbeit besteht aus einer Mischung von Zeichnungen und Malerei: Die kleinen Zeich- nungen, roh, im Skizzenzustand, spiegeln ihr Denken wider und sind die Basis für die größeren Zeichnungen und Drucke. Jeder gezogene Strich lässt eine neue Vorstellung, einen neuen Pfad entstehen. Im Hintergrund malt sie immerwährend den Wald. Dort lebt eine geflügelte Figur, ein Reisender, der zwischen den Malereien geht und der an die Geschichten und Vergangenheit des Waldmusters teilnimmt. Die Bilder, aufgebaut und abgebaut, werden zu einer vagen Erinnerung von einer weit entfernten Vergangenheit, Geschichte eines unbekannten Orts. Die Malerin realisiert Fantasieorte, die dem Betrach- ter auf geheimnisvolle Weise vertraut werden. Im Künstlerhaus Lukas möchte Soffia Saemundsdottir an eine Reihe von kleinen Zeichnungen arbeiten und neue Malereien probieren, die von dem Gelände beeinflusst wären.

Abbildung: Ausschnitt aus „Helgur staður“ Öl und Wachs auf Holz, 2011

  Olaf Wegewitz - Zeichnung/Grafik (Ehrengast)  

1949 geboren in Schönebeck | 1974/75 Materialstudien bei Professor Hans Schulze an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig | ab 1975 frei- berufliche Arbeit als Künstler, Naturbeobachter, Poet | seitdem zahlreiche Kunstprojekte und Ausstellungen mit übergreifendem Bezug zur Natur und den Umgang mit dergleichen | 1987/88 Mitgründung des Kunstvereins Röder- hof | 1989 Mit der Arbeit" Ararat" zusammen mit Frieder Heinze auf der 20. Biennale in Sao Paulo | 1999 Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt | Stu- dien zu "Denkort" für den Raum der zerstörten Halberstädter Synagoge | 2006 Ausstellung mit Gil Schlesinger in der Kunststiftung „ben zi bena“ in Merseburg | seit 2010 Arbeit an dem Buch- und Bildrollenprojekt „Gerade- wegs durch Deutschland“ | Werke finden sich u.a. in Besitz der Bayrischen Staatsbibliothek, Staatlichen Museen zu Berlin- Preußischer Kulturbesitz, New York Central Library,  J. Paul Getty Museum | lebt und arbeitet in Huy-Neinstedt  

Olaf Wegewitz Ehrengast des Programms „Art residence Ahrenshoop“ der Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop, der FAMAKunststiftung und des Künst- lerhauses Lukas. Der 1949 geborene, in Sachsen-Anhalt angesiedelte Künst- ler ist Autor eines Werkes, das in jahrzehntelanger Konsequenz, ästhetisch vielschichtig und mit dem Nachdruck einer aus lange gewachsenem Wissen hervorgegangenen Position die elementaren Verwobenheiten der menschlich- en Existenz mit ihrem Herkommen aus Natur und Geschichte deutet. In der Art, wie alle seine Lebenshandlungen in das umfassende Konzept seiner Kunst eingebunden sind, trifft er sich mit dem großen Schamanen der Nach- kriegsmoderne Joseph Beuys. Sein Werk wirkt und entfaltet sich indessen mehr im Stillen: Malereien, Objekte und Installationen, Zeichnungen und mittlerweile fast 80 Künstlerbücher.  Wie Natur sich organisiert, ist Thema seiner Arbeit, aber auch Spuren versunkener kultureller Zeichensysteme, wie sie ihm auf seinen planvoll ausgedehnten Wanderungen begegnen, bezieht er wie einen wieder gewonnenen Sprachschatz ein. In den 1980er Jahren gehörte Olaf Wegewitz zum Kreis der unangepassten Künstler um den legendären „Leipziger Herbstsalon“. Nachdem er seinen Lebensmittel- punkt in den Harz verlegt hatte, profilierte er den „Röderhof“ als einen Zu- fluchtsort für Künstler mit den hier seit 1990 stattfindenden „Herbsttreffen“ als „eine Einrichtung neuen Denkens, welche schon einige Zeit vor der Ver- änderung im Osten der deutsch sprechenden Nordländer Bestand hatte“.   Dr. Katrin Arrieta

Abbildung: Ausschnitt aus „Wasser“, Tusche und Aquarell auf Papier, 60 x 70 cm, 2005

UNTERWEGS IM NOVEMBER:
Im Rahmen unseres internationalen Austauschprogramms erhielt Wanja Tolko in der Fyns Grafiske Værksted in Odense/Dänemark ein einmonatiges Arbeitsstipendium.
  Wanja Tolko - Malerei/Grafik  

geboren 1973 in Berlin | 1993-1995 Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig | 1995-1998 Tischlerlehre | 1998-2001 Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für grafik und Buchkunst Leipzig | 2001-2002 Master Course Fine Art in der Kunstschule Glasgow | 2002-2004 Meisterschüler für Medienkunst bei Prof. Alba D’Urbano | 2004-2007 Projektleitung Freiwilligendienst Leipzig | 2009 Gründung der Künstlergruppe Schaum | 2009 Stipendiat der Hansastadt Rostock | lebt und arbeitet in Rostock

Bereits während des Studiums entfernte sich Wanja Tolko zunehmend aus dem gegenstädnlichen Bereich der Malerei und wandte sich konzeptionellen Arbeiten der Installationskunst, Skulptur und Kunst im öffentlichen Raum zu. Nun entdeckt er für sich die Zeichnung und Malerei auf Papier wieder. Seine Arbeitsweisen umfassen das zeichnerische Erfassen von Gesehenem, das schnelle entwurfhafte Umsetzen einer Idee oder das meditative Entwickeln komplexer Formen und Strukturen. Er verwendet Bilder und Vorlagen aus Medizin, Forschung und Kartographie. Durch das Verändern, Weglassen und Überlagern von Bildinhalten und Bildinformationen entstehen neue Kartenbilder. Dabei minimalisiert sich seine Formsprache zunehmend. Seine Arbeiten führen in eine Bildwelt zwischen Mirko- und Makrokosmos. Bei allem Chaos scheinen Organisationsprozesse in der Natur wiederkehrende Muster hervor zu bringen. Außerdem interessiert sich Wanja Tolko für das Material Papier, als universaler Träger von Text- und Bildinformation hat es eine lange kulturgeschichtliche Tradition. Dem digitalen Zeitalter trotzend bleibt der Reiz der sinnlichen Erfahrung des Materials Papier unumstritten. Es ist stets sein Arbeitsmittel auf dem er weiterhin grafische Techniken für Landkarten erforschen will.

Abbildung: Ausschnitt aus „Winterzellen 2“ Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm, 2010

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