Oktober

  Elke Erb - Prosa/Lyrik  

geboren 1938 in Scherbach, Eifel | 1949 Übersiedlung nach Halle | 1958-1959 Landarbeit | 1963 Lehrerexamen | 1963-1965 Verlagsarbeit | ab 1966 frei- schaffende Autorin in Berlin | 1975 erste Veröffentlichung „Gutachten.“, Poesie und Prosa | 1987 „Kastanienallee“, Texte und Kommentare | 1990 Heinrich-Mann-Preis | 1993 Ehrengabe der Schillerstiftung | 2004 Else- Heiliger-Stipendium der Adenauer Stiftung | 2007 Hans-Erich-Nossak-Preis | 2010 „Meins. Roughbook 006“ | 2011 Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung | lebt und arbeitet in Berlin  

Elke Erb schreibt Kurzprosa, Lyrik und prozessuale Texte. Sie hat ein selten feines Ohr und ein Wortethos, das beeindruckt. Man muss ihr nur beim Reden zuhören, wie sie die Worte wählt, wie sie es schafft, erfinderisch, um der Sache gerecht zu werden. Was dabei entsteht, ist ein Elke-Idiom, unver- wechselbar und wahr, denn sie ringt nicht nur um den richtigen, sondern um den wahren Ausdruck. Die Autorin sieht es als ihre Aufgabe an, bei Übersetzungen jeder sprachlichen Wahrhaftigkeit auf den Grund zu gehen, so gründlich, dass sie diese Wahrhaftigkeit neu formulieren kann. So verfasst sie vor allem Nachdichtungen. Gesehen aus einem Abstand von dreißig Jahren, kam ihr bereits im Osten eine Vorreiterrolle bei der Erweiterung poetischer Ausdrucksmöglichkeiten zu. Obwohl sie die eigentlich nicht suchte, kam ihr wegen des prüfenden Charakters und mit ihrem Interesse am Neuen und Zeitgemäßen eine Vorbildfunktion zu. Sie ist stark an Versuchs- anordnungen interessiert, es geht bei ihr um die Erprobung der Natur von Literatur. So schreibt die Autorin beispielsweise in ihrem Band „Sonanz“ von 2008 kurze Fünf-Minuten-Notate. Mit der Einhaltung dieser selbst auferlegten, eigenartigen und unnatürlichen Arbeitsweise, versucht sie mehr über die Natur der Dichtung zu erfahren. Über drei Jahre hat sie willkürlich und ohne Vorgabe nahezu täglich diese Niederschriften verfasst. Der assoziative Ablauf dieser Methode hat Elke Erb zu neuer intellektueller und existentiell kreativer Leistungsfähigkeit befördert. 

Abbildung: Ausschnitt einer Leseprobe aus „Meins. Roughbook 006“, 2010

  Dorothea Heinrich - Fotografie  

geboren 1968 in Berlin | 1992-2000 Studium der Freien Kunst an der Hoch- schule für bildende Künste in Hamburg | 2000-2002 Aufbaustudium Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg | seit 2002 Freie Künstlerin mit dem Schwerpunkt Fotografie | verschiedene Ausstellungen in Hamburg, Köln und Berlin | 2004-2007 Leitung der Werkstatt Fotografie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg | seit 2009 Dozentin für Foto- grafie an der VHS Hamburg | 2009-2010 Qualifizierung Mediendesign Print an der AEP, Digital Arts Academy | lebt und arbeiten auf Reisen und in Hamburg  

Dorothea Heinrichs zumeist schwarz-weiße Reisefotos sind nüchtern durch eine Nummer, das Datum und den Ort der Entstehung bezeichnet. Sie ver- zichtet auf den objektivierenden Einsatz von fototechnischen Mitteln und vertraut vorgefundenen Lichtverhältnissen ebenso wie der Kraft ihrer Sujets. Schenkt man den Fotos Glauben, so findet das „wahre“ Leben in den Subkul- turen statt, vornehmlich in den Parallelwelten hybrider Männergesellschaften. Seit Jahren mischt sie sich mit ihrer Kamera in die „Subs“ der Sportler, Rocker oder Motorradfreaks ein. Ein zentrales Thema ihrer Arbeit ist der Mann als Idol und Held. Geduldig lauert sie mit dem Objektiv den Moment auf, wenn sich eine gewisse Vertrautheit zwischen Fotografin und Modell einstellt und die Posen von den Portraitierten abfallen. Ihre Fotos entlarven codierte Rituale und Imponiergehabe. Zum Vorschein kommen existentielle Gesten der Scham, Ängstlichkeit oder Unsicherheit. Die vielfach gezielt eingesetzte Unschärfe der Bilder entrückt die Protagonisten zusätzlich und stimmt die Portraits me- lancholisch ein. Was bleibt ist die uneingelöste Sehnsucht nach dem Anders- sein. In karger Hotelzimmerumgebung setzt Dorothea Heinrich in ihren Selbst- bildnissen dem Gefühl des Dazwischen-Seins in der Fremde ein fragloses, selbstbewusstes „Ich bin da“ entgegen. Kalkuliert offen, ohne sich zu offenbaren, zeigt sie, dass Reisen mehr bedeutet, als den Ort zu wechseln.

Abbildung: Ausschnitt aus „(25/09/02) 24.07.09, Berlebeck“, s/w PE-Handabzug, 127 x 190 cm, 2009
  Greta Hoheisel - Fotografie  

geboren 1983 in Kassel | 2004-2011 Studium der Kulturwissenschaft und ästhetischen Praxis an der Universität Hildesheim | seit 2006 verschiedene Ausstellungen in Hildesheim | 2009 multimediale Wanderausstellung mit Norbert Lang „Bucharest – fragments in a box“ in Bukarest, Kassel, Berlin und Hildesheim | seit 2009 wissenschaftliche Hilfskraft im Fachgebiet Fotografie an der Universität Hildesheim | Fotografin und Kulturjournalistin | lebt und arbeitet in München  
  Lisa Vera Schwabe - Prosa  

geboren 1982 in Berlin | 2004-2010 Studium der Kulturwissenschaft und ästhetischen Praxis an der Universität Hildesheim | 2006 Gründung des freien professionellen Künstlerkollektivs THEATER KORMORAN für Kinder und Erwachsene | 2011 Stipendiatin der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung im Herrenhaus Edenkoben | Theatermacherin und Autorin | lebt und arbeitet in Leipzig  

Lisa Vera Schwabe und Greta Hoheisel wollen ein Darßer Bestiarium erschaffen. Sie werden in der Umliegenden Natur Tiere aufspüren, sie beobachten, fotografieren. Sie werden ortskundige Spezialisten besuchen und befragen und sie bei ihrem Arbeitstag begleiten. Am Ende sollen Fotografien und Kurzprosa der Tiere stehen. Jedoch soll es keine reine Abbildung der Realität sein. Feine Brüche bringen die vertraute Methode und Ordnung durcheinander. Auch ausgestorbene, nie existente oder erfundene Tierarten sollen ihren Platz bekommen. Manchmal soll ein völlig anderer Text dem Bild zugeordnet werden. Im Zusammen- und Gegenwirken von Fotografie und Text soll ein neues Bedeutungsfeld entstehen, das Wahrnehmungsmuster aufbricht und dem Betrachter zum Perspektivwechsel herausfordert.

Abbildung oben: Ausschnitt einer Fotografie aus dem Buch „BUKAREST | BUCUREŞTI - fragmente“ zu Texten von Norbert Lang, 2008 
Abbildung unten: Leseprobe aus der Gedichtreihe „Auf den Fersen“

  Sven Märkisch - Buchkunst/Künstlerbuch  

Geboren 1969 in Halle | Studium der Konzeptkunst Buch an der Burg Giebich- enstein in Halle | 2000 Gründung der Buchgestaltungs- und Grafikagentur „edition sand“ | 2007 Arbeitsstipendium des Landes Sachsen-Anhalt | 2008/ 09 Organisation und Koordinierung der Ausstellung „Una mirada al libro - Objeto, imagen, texto: Einblicke ins Buchgebiet - Objekt, Bild, Text“ | Aus- stellungsbeteiligungen: 2006 „Erlesenes – Buch Bücher Bucheinbände“ Berlin, „Frühling im Buchgebiet“, 2007 „Illustrative“ Berlin, 2011 „Vorsicht Buch“ Galerie Handwerk München | Teilnahme an der Leipziger, Frankfurter und Baseler Buchmesse

Nach der Reihe der Stadtbilderbücher über Tokyo, Chicago, Madrid-La-Paz und Tallinn möchte sich Sven Märkisch nun dem Ländlichen, der Provinz in Kleinstädten und Dörfern widmen und dabei Geschichten und Bilder sammeln. Unter dem Arbeitstitel „Land umher“ sollen beobachtende und beschreibende „Land- und Leute-Skizzen“ entstehen. 

Abbildung: Ausschnitt einer Seite aus dem Künstlerbuch „Grüße aus Damaskus“, Buchdruck, 35 × 40 cm, 2009

  Achim Stegmüller - Prosa/Lyrik  

geboren 1977 in Heidelberg | Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig | Studium der Japanologie in Tübingen, Kyoto und Osaka | 2002 „Die schönsten Liebesszenen im Film“ Gustav Kiepenhauer Verlag Leipzig | 2003 Stipendium der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung zur Förderung philan- thropischer Ziele | 2007 „Nagaoka“ Roman, Textem Verlag Hamburg | 2008 Stipendiat im Künstlerdorf Schöppingen | 2009 Kurzkrimi in der Anthologie „Tödliche Wasser“ | Alfred-Döblin Stipendium | 2010 Stipendiat am Hierony-mus-Programm im Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen | 2010 Else-Lasker-Schüler-Stückepreis | Autor und Übersetzer | lebt und arbeitet in Duisburg

Achim Stegmüller schreibt Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Ge- dichte. Dabei lässt er der Fantasie viel Raum. Fantasie, nach der wir uns sehnen, die wir in der Marketingprosa vermissen. Hier erfindet endlich mal wieder einer eine Welt, anstatt die Welt nur abzubilden, darzustellen und auszunutzen. Somit ist die Daseinsberechtigung für Schriftsteller wieder bestätigt. Seine Erzählung „Nagaoka“ erzählt von der fantastischen Alltäg- lichkeit: Wachtürme auf Augenbrauen, Blumen, die aus Köpfen wachsen, Schauschlachthäuser, merkwürdige Kinder und Ohrenwurst. Ein junger Mann macht sich auf die Suche nach seiner verschollenen japanischen Mutter, findet allerdings seinen Vater und die Liebe. Auch seine Kriminalgeschichte „NOX“ ist ein großer kleiner Spaß. Es ist eine Kriminalgeschichte die im thüringischen Örtchen Ranis spielt. Dort hat der Autor 2009 einen 100-tägigen Aufenthalt als Stadtschreiber verbracht. NOX ist ein Wisentbulle, der zur Erfolgsgeschichte von Ranis beitragen soll. Aus dem unbekannten Städtchen soll eine Tourismusattraktion werden. Spannend und mysteriös führt Achim Stegmüller die Leser in die Hintergründe und Abgründe des Falls ein, bis hin zum Schlimmstmöglichen. Und wir dürfen uns freuen: Endlich gibt es sie wieder, die Fantasie. 

Abbildung: Ausschnitt einer Leseprobe aus der Erzählung „Nagaoka“

  Olaf Wegewitz - Zeichnung/Grafik (Ehrengast)  

1949 geboren in Schönebeck | 1974/75 Materialstudien bei Professor Hans Schulze an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig | ab 1975 frei- berufliche Arbeit als Künstler, Naturbeobachter, Poet | seitdem zahlreiche Kunstprojekte und Ausstellungen mit übergreifendem Bezug zur Natur und den Umgang mit dergleichen | 1987/88 Mitgründung des Kunstvereins Röder- hof | 1989 Mit der Arbeit" Ararat" zusammen mit Frieder Heinze auf der 20. Biennale in Sao Paulo | 1999 Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt | Stu- dien zu "Denkort" für den Raum der zerstörten Halberstädter Synagoge | 2006 Ausstellung mit Gil Schlesinger in der Kunststiftung „ben zi bena“ in Merseburg | seit 2010 Arbeit an dem Buch- und Bildrollenprojekt „Gerade- wegs durch Deutschland“ | Werke finden sich u.a. in Besitz der Bayrischen Staatsbibliothek, Staatlichen Museen zu Berlin- Preußischer Kulturbesitz, New York Central Library,  J. Paul Getty Museum | lebt und arbeitet in Huy-Neinstedt
 

Olaf Wegewitz ist in diesem Jahr Ehrengast des Programms „Art residence Ahrenshoop“ der Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop, der FAMAKunststif- tung und des Künstlerhauses Lukas.
Der 1949 geborene, in Sachsen-Anhalt angesiedelte Künstler ist Autor eines Werkes, das in jahrzehntelanger Konsequenz, ästhetisch vielschichtig und mit dem Nachdruck einer aus lange gewachsenem Wissen hervorgegange- nen Position die elementaren Verwobenheiten der menschlichen Existenz mit ihrem Herkommen aus Natur und Geschichte deutet. In der Art, wie alle seine Lebenshandlungen in das umfassende Konzept seiner Kunst eingebunden sind, trifft er sich mit dem großen Schamanen der Nachkriegsmoderne Joseph Beuys. Sein Werk wirkt und entfaltet sich indessen mehr im Stillen: Malereien, Objekte und Installationen, Zeichnungen und mittlerweile fast 80 Künstlerbücher. Wie Natur sich organisiert, ist Thema seiner Arbeit, aber auch Spuren versunkener kultureller Zeichensysteme, wie sie ihm auf seinen planvoll ausgedehnten Wanderungen begegnen, bezieht er wie einen wieder gewonnenen Sprachschatz ein. In den 1980er Jahren gehörte Olaf Wege- witz zum Kreis der unangepassten Künstler um den legendären „Leipziger Herbstsalon“. Nachdem er seinen Lebensmittelpunkt in den Harz verlegt hatte, profilierte er den „Röderhof“ als einen Zufluchtsort für Künstler mit den hier seit 1990 stattfindenden „Herbsttreffen“ als „eine Einrichtung neuen Denkens, welche schon einige Zeit vor der Veränderung im Osten der deutsch spre- chenden Nordländer Bestand hatte“.   Dr. Katrin Arrieta


Abbildung: Ausschnitt aus „Wasser“, Tusche und Aquarell auf Papier, 60 X 70 cm, 2005

  Anna Werkmeister - Video/Künstlerbuch  

geboren 1949 in Dingelstädt, Thüringen | 1971-1975 Studium der Kunster-ziehung in Erfurt | 1989 Arbeitsstipendium in Civitella D`Agliano, Italien | seit 1993 verschiedene Ausstellungen in Berlin, Erfurt, Freiburg und der Schweiz | 2003 Arbeitsstipendium der AKS Stiftung Luzern in der Stadtmühle Willisau, Schweiz | 2004 Preisträgerin des Kunst am Bau Wettbewerbs für die Deu- tsche Botschaft in Tokio, Japan | 2005 Stipendium Künstlerhaus Hooksiel | lebt und arbeitet in Berlin

Die Kunst von Anna Werkmeister zeichnet sich durch ein breites Gestal-tungsspektrum aus. So arbeitet sie nicht allein als Malerin und Bildhauerin, sondern es entstehen auch C-Prints und Videofilme. Die klassischen Ab- grenzungen innerhalb dieser einzelnen Bereiche sind ihr ebenso fremd wie das rein intuitive Arbeiten. Konstruktiv berechenbare und brillant ausgewo- gene Verhältnisse zwischen den Frequenzen von dissonanten uns har- monischen Zeitmengen der Schnitte verleihen ihren Filmen eine kühle und zugleich klassisch zu nennende Modernität. Bei ihren Videoarbeiten handelt es sich oft um ungeschnittene Dauereinstellungen der Kamera, die ein landläufiges natürliches Motiv fixieren und es, beinahe banalisiert, in Echtzeit dokumentieren. Jede pathetische Inszenierung, die zu einer philosophischen Übersteigerung von Natur Anlass böte, wird dabei konsequent vermieden. Anna Werkmeister ist im Stande ihre in Malerei und Skulptur entwickelten Analyseprinzipien von einem statischen Kontext in das bewegte Bild zu übertragen. Damit eröffnet die Künstlerin uns neue Zugangsmöglichkeiten zum Visuellen.

Abbildung: Ausschnitt aus dem Künstlerbuch „Safran und Tusche“, 64 Seiten im Schuber, 16,2x13,8x5,2 cm, 1991

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