September

  Greta Hoheisel - Fotografie  

geboren 1983 in Kassel | 2004-2011 Studium der Kulturwissenschaft und ästhetischen Praxis an der Universität Hildesheim | seit 2006 verschiedene Ausstellungen in Hildesheim | 2009 multimediale Wanderausstellung mit Norbert Lang „Bucharest – fragments in a box“ in Bukarest, Kassel, Berlin und Hildesheim | seit 2009 wissenschaftliche Hilfskraft im Fachgebiet Fotografie an der Universität Hildesheim | Fotografin und Kulturjournalistin | lebt und arbeitet in München  
  Lisa Vera Schwabe - Prosa  

geboren 1982 in Berlin | 2004-2010 Studium der Kulturwissenschaft und ästhetischen Praxis an der Universität Hildesheim | 2006 Gründung des freien professionellen Künstlerkollektivs THEATER KORMORAN für Kinder und Erwachsene | 2011 Stipendiatin der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung im Herrenhaus Edenkoben | Theatermacherin und Autorin | lebt und arbeitet in Leipzig  

Lisa Vera Schwabe und Greta Hoheisel wollen ein Darßer Bestiarium erschaffen. Sie werden in der Umliegenden Natur Tiere aufspüren, sie beobachten, fotografieren. Sie werden ortskundige Spezialisten besuchen und befragen und sie bei ihrem Arbeitstag begleiten. Am Ende sollen Fotografien und Kurzprosa der Tiere stehen. Jedoch soll es keine reine Abbildung der Realität sein. Feine Brüche bringen die vertraute Methode und Ordnung durcheinander. Auch ausgestorbene, nie existente oder erfundene Tierarten sollen ihren Platz bekommen. Manchmal soll ein völlig anderer Text dem Bild zugeordnet werden. Im Zusammen- und Gegenwirken von Fotografie und Text soll ein neues Bedeutungsfeld entstehen, das Wahrnehmungsmuster aufbricht und dem Betrachter zum Perspektivwechsel herausfordert.

Abbildung oben: Ausschnitt einer Fotografie aus dem Buch „BUKAREST | BUCUREŞTI - fragmente“ zu Texten von Norbert Lang, 2008 
Abbildung unten: Leseprobe aus der Gedichtreihe „Auf den Fersen“

  Margit Jäschke - Malerei/Objekt/Schmuck  

geboren 1962 in Halle | 1983-1991 Studium im Bereich Schmuck an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle | 1992-2001 Lehrtätigkeit an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle | 1993-1994 Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds Berlin | 2002 „Grassispreis“ der Galerie Slavik in Wien | 2008 „Grassispreis“ GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig | Auslandstipendium der Kunststiftung Sachen-Anhalt für New York | lebt und arbeitet in Halle und Berlin

Margit Jäschke ist in den Bereichen Malerei Objekt und Schmuck tätig. Für letzteres verwendet sie beispielsweise verschiedene Edelsteine, sowie Silber und Elfenbein und mischt diese mit vorerst banaleren Materialien wie Pappmaché, Plastik und Papier. Manchmal sind es Motive aus der Natur, die die Künstlerin in ein Schmuckstück einfließen lässt: Eine Regenwolke, aus der Silber regnet; oder farbige Broschen, die anmuten wie offene Muscheln aus denen rote Perlen schimmern; Ketten mit Pappmaché-Elementen, die an versteinerte Pflanzen denken lassen. Dann gibt es eine Reihe weißer Papierschuhe. Es sind keine formalen Ähnlichkeiten oder die Wiederholung von einmal gewählten Motiven, die die Arbeiten von Margit Jäschke wieder erkennen lassen, sondern eine geistige Haltung und die Zeilsetzung, eine möglichst authentische Art, sich einem Thema anzunähern. Dabei spielt die Wahl eines der Bedeutung adäquaten Materials und der Technik eine herausragende, wichtige Rolle. Es ist eine immer wieder unternommene Suche nach Materialwahrhaftigkeit.

Abbildung: Ausschnitt aus „Brosche“ Papier, Plastik, Gold, Koralle, 2010

  Jan Skudlarek - Lyrik  

geboren 1986 in Hamm | in Spanien und NRW aufgewachsen | 2004-2010 Studium der Philosophie in Münster | diverse Stipendien und Förderpreise | lebt und arbeitet seit 2011 als Lyriker und Doktorand in Berlin
 

Jan Skudlarek arbeitet insbesondere an einem längeren Gedichtzyklus, welcher den Kern seines 2013 erscheinenden Bandes „landzungen“ ausmacht. In diesem Zyklus setzt sich ein häufig unbestimmtes Wir mit Verschiedenem auseinander: räumlichen Gegebenheiten, personellen Konstellationen und dem Inventar einer eher unüberschaubar gewordenen Welt. Seine Gedichte arbeiten dialogisch – sie sind dabei dicht, aber nicht hermetisch. Gegensätze kommen zur Sprache, teils erzählerisch, teils stark metaphorisch.

Abbildung: Ausschnitt einer Leseprobe aus „akteure“

  Nicole Schuck - Zeichnung/Installation  

geboren 1967 in Herford | 1990-1996 Studium der Visuellen Kommunikation an der Fachhochschule Bielefeld | 1997-2003 Kunststudium an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig | 2003-2004 Meisterschülerin bei Prof. John Armleder | 2009 Projektförderung der Senatskanzlei – kulturelle Ange- legenheiten, Berlin | 2010 Kulturaustauschförderung (Israel) der Senats- kanzlei – kulturelle Angelegenheiten, Berlin | 2010 Artist Residence Herzliya, Tel Aviv, Israel | 2011 Projektstipendium, DA Künstlerhaus Kloster Graven- horst | 2011 Stipendium, Stiftung Künstlerdorf Schöppingen | lebt und arbeitet in Berlin

Nicole Schuck lässt in ihren auf das Medium der Zeichnung und Erzähl-Performances fokussierten Arbeiten Kunst und Wissenschaft, Fiktion und Wirklichkeit, Dokumentation und Narration aufeinander treffen. Sie karto- graphisiert Orte, Landschaften, Länder und bezieht ganz bewusst die jeweils dort lebenden Tiere unmittelbar mit ein. Zeichnend, Anwohner interviewend und mit Wissenschaftlern kooperierend, betreibt sie eine Feldforschung, die nicht dokumentieren oder illustrieren, sondern erzählen will

Abbildung: Ausschnitt aus „Braunes Langohr Flügelnetz“, Bunt- und Bleistift auf Papier, 21 x 29,7 cm, 2010

  Grigory Selsky - Fotografie/Video  

2007 Baltische Biennale „PHOTOMANIA“, Kaliningrad | 2010 video-art, video-noise, „SINTTEZIS“, Festival für experimentelle elektronische Musik, Kalinin- grad | 2010 Austellung „MATBEEB“, Kunstgalerie Kaliningrad   

Grigory Selsky fotografiert und macht Multimedia-Installationen. Sein neues Projekt soll von den Regionen der Baltischen Küste erzählen. Ihn interessiert, wie das Meer, die umliegende Landschaft und die historischen Hintergründe der Orte Künstler beeinflussen. In seinen Arbeiten bezieht er sich oft auf seine Heimatstadt Svetlgorsk, die unter anderem auch schon Thomas Mann, Hermann Brachert und Käthe Kollwitz inspirierte. Der alte deutsche Name dieser Stadt ist Rauschen. Grigory Selsky möchte in seiner Installation eine Karte zeigen, auf der Orte mit bestimmten Eigenarten verbunden werden.

Abbildung: Ausschnitt aus „медиа-инсталяция“ (Bauten), Foto-Video-Ton-Installation, 2009
  Ulrich Wittstock - Prosa  

Geboren 1962 in Lutherstadt Wittenberg | 1986-91 Studium Evangelische Theologie | In den 80er Jahren Veröffentlichungen in Jugendzeitschriften der DDR | Beschäftigung mit multimedialen Inszenierungen von Text, Musik und Film in mehreren Projekten der Performance-Gruppe „Salem Rot“ | 2010 Ver- öffentlichung des Lyrikbands „Schwemmland“ im Athena Verlag | Reporter, Redakteur und Moderator im ARD Hörfunk und Dozent für Radiojournalismus an der Hochschule Magdeburg- Stendal  

Uli Wittstock ist ein Sammler. Als Hörfunkjournalist orientiert er sich nicht nur am Inhalt, sondern auch am Klang von Worten. Auf diese Erfahrung greift er als Autor zurück und nutzt dies für seine Erzählstrategien. Uli Wittstock ist also ein Erzähler, aber er will diesen Begriff nicht nur auf Texte bezogen wissen. In diesem Zusammenhang spricht er von verschiedenen Ausspiel- wegen, die es ihm ermöglichen, Texte auch außerhalb der klassischen Präsentationsformen zu inszenieren. Ein zentraler Begriff für seine künstler- ische Auseinandersetzung ist das Sampling, eine Technologie, die in den 80ziger Jahren des letzten Jahrhunderts zunächst die Popmusik revolutio- nierte. Mit der Digitalisierung weiterer Lebensbereiche ist das Sampling zu einer bestimmenden Produktionsform geworden, von der Gentechnik bis hin zur Medienkunst. Uli Wittstock geht es um das Sammeln, Zerschneiden und Zusammensetzen von Worten und Sprachmustern, aber auch von Ideen oder Erzählungen. Die Texte können ganz klassisch zu einer Papierform gerinnen, aber auch Bestandteil einer multimedialen Inszenierung sein. Zu diesem Zweck sucht Uli Wittstock immer wieder die Zusammenarbeit mit Musikern und bildenden Künstlern. Dabei geht es ihm auch um die Frage, welche Erzählstrategien jenseits der medialen Gewohnheiten möglich sind. Es handelt sich dabei jedoch nicht um formale Experimente, sondern um eine Erzähl- strategie an der Bruchkante der Verhältnisse, auch ausgelöst von einer Gegenwart, die zu verwalten als alternativlos vermeldet wird.

Abbildung: Ausschnitt einer Leseprobe aus „Heimatfront“
UNTERWEGS IM SEPTEMBER:
Im Rahmen unseres internationalen Austauschprogramms erhielten Björn Kern im „Ostseezentrum für Schriftsteller und Übersetzer“ in Visby, Bernhard Schrock und Laura Bielau im „Zentrum für Zeitgenössische Kunst“ in Kaliningrad/Rußland, Anne Sewcz und Anna Gestering in der „Villa Muramaris“ in Visby/Schweden sowie Sanne Pawelzyk „Klaipeda Cultural Communication Center“ in Klaipeda/litauen jeweils ein einmonatiges Arbeitsstipendium.
  Björn Kern - Prosa  

geboren 1978 in Lörrach |1998-2002 Studium der deutschen und franz-ösischen Literaturwissenschaft, Zeitgeschichte und Kulturwirtschaft in Tübingen, Passau und Aix-en-Provence | 2001 Debütroman „KIPPpunkt“, erschienen bei dtv | Deutsches Literaturinstitut Leipzig | freie Mitarbeit bei verschiedenen Medien | 2008 London-Stipendium des Deutschen Literatur- fonds | 2010 Casa-Baldi-Stipendium der Villa Massimo Rom | 2012 Verfilmung seines Romans „Die Erlöser AG“ beim ZDF | lebt und arbeitet in Südbaden und Berlin

Björn Kern hat mit nur 24 Jahren ein sehr erfolgreiches Debüt mit seinem Roman „KIPPpunkt“ hingelegt. In seinen ersten Werken verarbeitet er seine Zeit als Zivildienstleistender in der Psychiatrie und im Altenheim. Er erzählt temporeich und authentisch von Zerfall und Tod, von Liebe und Verlust, Lebensmüdigkeit sowie vom Zorn gegen Ungerechtigkeit. Er beschreibt Wundliegen, Einkoten oder Unfälle mit Schnittwunden drastisch und mit exzessivem Einsatz des Geruchssinns. Er hält mit der Kamera drauf, wenn eine alte Frau wegen Stationsüberbelegung in der Besenkammer vergessen wird, wechselt in den inneren Monolog und macht den Horror greifbar. Zur sinnlichen Drastik kommt die Drastik der Sprache. Die erweckt vor allem durch ausgiebigen Gebrauch indirekter Rede zugleich Dringlichkeit und Hast wie auch eine unterkühlte Dauerdistanz, die wiederum zur Kulisse passt. In seinem neuen Roman „Das erotische Talent meines Vaters“ beschreibt Björn Kern einen Vater-Sohn-Konflikt in einer zeitgemäßen Variante. Farbig und unterhaltsam, spannend und mit einigem Augenzwinkern erzählt er von der neuen, verkehrten Welt, in der die Kinder bürgerlicher sind als ihre freizügigen, sich um ihre Selbstverwirklichung sorgenden Eltern.

Abbildung: Ausschnitt einer Leseprobe aus dem Roman „Das erotische Talent meines Vaters“, 2010

  Bernahrd Schrock - Malerei/Grafik  

geboren 1953 in Neubrandenburg | 1969-1971 Schlosserlehre in Neubran-denburg | 1971-1972 Praktikum im Malsaal des Friedrich-Wolf-Theaters in Neustrelitz | 1974-1981 Mitarbeiter in den künstlerischen Werkstätten des Zentrum Bildende Kunst Neubrandenburg | seit 1980 freischaffender Maler und Grafiker | seit 1990 Mitgleid im Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern | 1996 Beteiligung am Projekt „Euromiljo“ in Gladsaxe, Dänemark | 2002 Arbeitsaufenthalt in der Türkei | 2004 Stipendium Insel Elba, Stiftung Dr. Tyll Dürr, Schweiz | lebt und arbeitet in Podewall

Bernhard Schrock zeichnet und malt, bedient sich der Einklebung, Element-schichtungen und verbindet diese Strukturen. So schafft er dunkle Staffel- ungen bis in die Tiefe des Bildgrundes hinein. Seine Arbeiten sind lesbar als Zustandbeschreibungen einer Ich-Natur, die Versteck und Selbstaufhebung umkreist und dann doch wieder spielerisch ausbricht in die Umschreibung von Gegenwartsvergnügen und Geborgenheitsgefühlen. Der Künstler behandelt die Welt, die Wirklichkeit, in der wir leben nicht anekdotisch. Er hat organische Konstruktionen gefunden, die durch Rhythmik die Sorge um die Teilung seiner Zeit oder um Raumeingriffe von außen anklingen lassen. Er erinnert daran, dass das Leben bar eines Trostes gelebt werden muss. Bernhard Schrocks Bilder verraten aber auch, dass er seiner Einsamkeit gewachsen ist. Die Struktur des Zellinneren ist gegenüber Einflüssen der Außenwelt abgeschirmt, ermöglicht gleichzeitig den Stoffaustausch und damit die Aufrechterhaltung des inneren Milieus.

Abbildung: Ausschnitt aus „Großer See (II)“ Acryl, Tusche, Collage auf Papier, 49 x 70, 2009/2010

  Laura Bielau - Fotografie  

geboren 1981 in Halle | 1997-1999 Ausbildung zur gestaltungstechnischen Assistentin, Grafik und Design in Halle | 1999-2002 Ausbildung zur Fotografin bei Punctum Leipzig | ab 2002 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig | 2004 Studium an der University of Art and Design Helsinki | 2005-2008 Stduium der Fotografie bei Prof. Timm Rautert | 2007 Preis für beste Leipziger Künstlerin beim 1. Internationalen Fotografiefestival F/Stop Leipzig | seit 2008 Meisterschülerin bei Prof. Peter Piller

Laura Bielau sucht sensibel bis provokativ die Momente des Erscheinens von Wirklichkeit. Sie fotografiert Wendepunkte, in denen etwas nicht nur sichtbar, sondern in einer anderen Intensität und in seinen unsichtbaren Aspekten wahrnehmbar wird. In ihren Bildern sind Momente des Sehens, des In-den-Blick-Fallens, des Angesehen-Werdens wie auch das In-Erscheinung-Treten-Lassen. Sie sind aber nicht rein sachlich oder konzeptuell mit abgebildet, sondern sie werden suggestiv, emotional vereinnahmend an die Betrachter weitergegeben. Laura Bielaus Kenntnisse der Geschichte der Fotografie sowie der einschlägigen Foto- und Kunsttheorie befördern den sehr eigenen, ebenso reflexiven wie spielerischen Umgang mit dem Medium. So glückt ihr der Versuch, das Unsichtbare im Sichtbaren aufscheinen zu lassen. In ihrem neuen Projekt probiert sie in verstärkter Form persönlich erlebtes in ihre Bilder einzubringen. Durch unmittelbare Anschauung, weniger konzeptionell fest- gelegt, entsteht ein Fundus fotografischer Aufnahmen, der folgende Themen- komplexe umfasst: Werkzeuge, Waldaufnahmen, männliche Portraits, Pflanzenteile, Stilleben und Tieraufnahmen. Diese Vielzahl von Bildern gewinnt im Prozess des Sortierend, Ordnens, aber auch poetisch-intiutiven Setzens eine kaleidoskopartige Zusammenschau.

Abbildung: Ausschnitt aus einer Fotografie aus der Serie „HE“, 2009/2010

  Anne Sewcz - Skulptur/Malerei/Zeichnung   

geboren 1958 in Schwerin | 1977-1982 Studium an der Kunsthochschule Berlin | seit 1982 Teilnahme an Symposien im In- und Ausland | 1991 Beginn der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Material Granit | 1996-2001 Lehrauftrag am Casper-David-Friedrich-Institut in Greifswald | 1982-2004 freischaffende Bildhauerin in Rostock | viele Arbeiten im öffentlichen Raum | lebt und arbeitet in Crivitz

Anne Sewcz erschafft Skulpturen aus Stein, Holz und Bronze, zeichnet und malt auf Papier. Ihre Arbeiten sind von der Erfahrung menschlicher Bezieh- ungen geprägt. Sie geben uns einen guten Einblick die künstlerische Gesin- nung und Art der Künstlerin, sich von menschlichen Angelegenheiten be- rühren zu lassen und sich mit ihnen auseinander zu setzen. Immer wieder finden sich im Werk der Bildhauerin Arbeiten, die vom Betrachter auf den ersten Blick nicht unbedingt figurativ gelesen werden, deren Titel jedoch eine figurative Lesart nahe legen. So kann man beispielsweise in vielen Skulpturen zwei Menschen in einer Umarmung sehen. Sie sind aus einem Stück Stein und strahlen trotz der kühle des Materials eine starke Innigkeit aus. Die Zurückführung der menschlichen Figur auf elementare Formen geht bei Anne Sewcz mit einer großen Behutsamkeit in der Behandlung dieser Formen und ihrer Oberflächen einher. Behauen, gestockt oder geschliffen wirken die Oberflächen und die unter diesen verborgene Materie eigenartig weich und malerisch, oder abwehrend, glatt. Kleinste Drehungen, Neigungen, Abweich- ungen und Winkel sind bedeutsam für den jeweiligen Ausdruck. Das Zuge- neigte, In-sich-gekehrte, das Zu- oder Abgewandte. Komprimiert und konzentriert bieten ihre Arbeiten dem aufmerksamen Betrachter eine Vielfalt an Eindrücken: der Lichteinfall, das Zusammenspiel von Licht und Schatten, die Materialoberfläche und die Einbettung der Skulptur in die Umgebung. Das Umschreiten und Entdecken der Plastik in all ihren Ansichten ist ein nahe liegender und gewünschter Vorgang.

Abbildung: Ausschnitt aus „Liegende“, Holz, 16 x 48 x 24,5 cm, 2010

  Anna Gestering - Malerei/Zeichnung  

geboren 1982 in Hannover | 2002-2003 Studium der Sinologie und Kunstge- schichte an der Universität Hamburg | 2003-2009 Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg | 2005 Auslandssemester an der École Nationale Superieur des Beaux Arts de Dijon, Frankreich | 2008 Gastsemester an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig |seit 2009 selbstständige Künstlerin im Bereich Malerei und Zeichnung | seit 2010 Mitgleid des frappant.e.V., interdisziplinäre Atelier- und Künstlerge- meinschaft in Hamburg | 2011 Ausstellung „SEEN“ in der Galarie Kramer Fine Art in Hamburg | lebt und arbeitet in Berlin



Anna Gestering ist in den Bereichen Malerei und Zeichnung tätig. Die Aus- einandersetzung mit dem Motiv des Schattens als flüchtige Form dient als eines der Themen und Ausgangspunkte im Medium Malerei, die Möglichkeit Bildgestaltung zu erkunden. Dabei geht es ebenso um eine nachvollziehbare Offenlegung der Bildkonstruktion wie um die Auseinandersetzung mit Formen und Ordnungen, die den verweis auf andere Möglichkeiten beinhalten. Die Künstlerin interessiert sich für allgemeine Bildmuster und deren stilbildende Farben, Strukturen und Formen, wie sie nicht nur in der Kunstgeschichte vorkommen. Ihr Interesse gilt auch älteren privaten Fotografien mit ihren zeitspezifischen Merkmalen, die heute bei uns an etwas Innerem rühren, wenn wir sie betrachten. So arbeitet sie momentan an dem Thema Erinnerung und wie sie durch Bilder und Symbole hervorgerufen wird. Dafür hat sie eine Sammlung von Fotografien aus den 80er Jahren angelegt. Sie zeigen die frühe Lebenswelt ihrer Generation. Viele Motive zeigen dabei ebenso Rituale oder spezifische Tätigkeiten der Kindheit. Mit der besonderen Farbigkeit der alten Fotografien und den Symbolen auf diesen Fotografien, welche eine sehr bestimmte Erinnerung hervorrufen, hat sie sich im Medium der Malerei auseinandergesetzt. Dieses scheint ihr dabei besonders geeignet, als es in seiner Beschaffenheit, des Aufbaus in Schichten vergleichbar ist mit den sich schichtweise niederlegenden Erfahrungen im Gedächtnis. Dinge werden überlagert, formieren sich um und neu. Dabei interessiert sich Anna Gestering auch für die Langsamkeit des Mediums. So wie man sich langsam etwas ins Gedächtnis ruft oder im Gedächtnis behalten will.

Abbildung: Ausschnitt aus: o.T. Acryl auf Leinwand, 80 x 100 cm, 2006

  Sanne Pawelzyk - Grafik  

geboren 1973 in Hockenheim | 1998 -2000 Studium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich | 2000-2005 Studium der Malerei an der staat- lichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe | 2006 Meisterschülerin bei Prof. Silvia Bächli | 2006 Baden-Württemberg-Stipendium | 2006-2008 Kunst- projekt „le kiosk“ im öffentlichen Raum in Karlsruhe und Luxemburg | 2012 Kunstprojekte „Salon 1“ und „Salon 2“ in Berlin | lebt und arbeitet in Berlin

Sanne Pawelzyk nimmt Bilder aus der Welt und zeichnet sie ab, nimmt sie in eine nicht detailgetreue Eigenuntersuchung auf. Collagen, Zeichnungen, Photographien, Objekte, Texte und Diagramme führt sie zu Werkgruppen zusammen. Die einzelnen Bilder werden zu einer Beobachtung. Es lässt sich vielleicht als eine Art „denken in Bildern“, als unvollkommenes bewusst werden über das Ganze beschreiben; eine Art Untersuchung des Gegeben- en. „Ein Beschreiben das es darauf absieht, das Vorstellen zu beschäftigen“ (M. Heiddegger: „was heißt denken“)

Abbildung: Ausschnitt aus o.T. Bleistift auf Papier

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