Juni

  Yvon Chabrowski (Leipzig/Berlin) – Fotografie/Video/Installation  

Die 1978 in Berlin geborene und in Leipzig und Berlin wohnende Künstlerin studierte 1999-2001 Philosophie an der Universität Potsdam und 2001-2007 Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. 2014/15 gründete sie ein Netzwerk von Künstler*innen, das kritisch-dokumentarische Praktiken und spartenübergreifende Ansätze zusammen bringt.

Für ihre Installationen löst die aus Berlin kommende Yvon Chabrowski Me- dienbilder aus ihrem Umfeld und führt sie neu auf. Figuren und Szenen, die man sonst im Internet, in der Zeitung oder im Fernsehen sieht, unterzieht sie einem Prozess der Dekonstruktion, das heißt, in einzelne Elemente zerlegte Bilder werden auf das Wesentliche reduziert – auf Gestus und Ikonografie – und neu zusammen gesetzt. Dabei ist ihr wesentlich, die Darstellungen räumlich visuell erfahren zu können. Damit möchte die Künstlerin in ihren Werken Denkräume eröffnen, in denen sie die politische Auseinandersetzung nicht scheut, ganz im Gegenteil gelingt ihr dies in großartiger Weise. 

Abbildung: Ausschnitt eines Videostills aus „Afterimage / Protest“, Videoinstallation, HD-Videoloop, 17:17 Min., 2013

  Sven Drühl (Berlin) – Ehrengast - Malerei  

Der 1968 in Nassau geborene Maler studierte von 1991-96 Kunst und Mathe- matik an der Universität GH Essen. Er erhielt mehrere Stipendien und Aus- zeichnung, u.a. ein Stipendium der Volkswagen-Stiftung Hannover (2012- 2014), ein Stipendium der X. Rohkunstbau, Berlin (2003) oder den Falken-rot-Preis für Malerei, Berlin (2007). Nach mehreren Lehraufträgen war er 2011 Gast-Professor für Malerei an der Chinesisch-Deutschen Kunstakademie Hangzhou, China.  

Der Maler Sven Drühl wurde als Ehrengast für Malerei von der Jury einge-laden. Der Maler setzt sich seit vielen Jahren mit Landschafts- und Archi-tekturmotiven der Kunstgeschichte und zeitgenössischen Kunst auseinander. Dabei zitiert er in seinen Gemälden und Neonarbeiten häufig bereits existier- ende Kunstwerke anderer wie Caspar David Friedrich oder Wolfgang Tilmanns, die er mit cooler, spielerischer Gelassenheit als Rohmaterial nutzt. Seit 2007 steht das japanische New Print Movement, das sogenannte Shin-Hanga, das seine Wurzeln im Japan der 1910er und 1920er Jahre hat, im Mittelpunkt seines Interesses. In seinem gesamten Werk dringt der Maler konzeptionell in den Kern der Malerei, die mal mit der Linie, der Zeichnung spielt oder beispielsweise ganz in Schwarz zur monochromen Malerei der Moderne vordringt und diese auf ganz eigene Weise kommentiert.

Abbildung: Ausschnitt aus „T.Y.“, Öl, Lack und Silikon auf Leinwand, 160 x 200 cm, 2014

  Göran Gnaudschun (Potsdam) – Fotografie  

Göran Gnaudschun wurde 1971 in Potsdam geboren, wo er heute immer noch wohnt. Er hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Professor Timm Rautert künstlerische Fotografie und bildende Kunst studiert. Unter den Stipendien und Preisen, die er während seiner bisherigen künstler-ischen Laufbahn erhielt waren u.a. das „Hannover Shots“ Stipendium (2015), der Lotto-Brandenburg-Kunstpreis (2012) und das Arbeitsstipendium des Landes Brandenburg auf Schloss Wiepersdorf (2004/2011). Demnächst erhält er den Rom-Preis der Deutschen Akademie Villa Massimo. Seine letzten Einzelausstellungen waren im „Münchner Stadtmuseum“ und im „Haus am Lützowplatz“, Berlin.  

Der Fotograf Göran Gnaudschun begreift sich als Portraitist. Seine Bilder stehen in der Nachfolge des postdokumentarischen Stils, die zunächst sehr klar und wirklichkeitsbezogen erscheinen, im Bildinhalt aber auf das Atmo- sphärische, auf die Emotion setzen und die Erzählfähigkeit des Betrachters herausfordert. Gnaudschun verbindet diese Portraits in seinen Arbeiten oft mit Landschaften, die Städte und ländliche Gegenden zeigen, mit Bildern, die sich dem Stillleben nähern, oder auch spontan Gesehenes abbilden.

Abbildung: Ausschnitt der Fotografie „Clara“ aus der Serie „Alexanderplatz“, 2010
  Jochen Schmidt (Berlin) – Prosa  

Der 1970 in Berlin geborene Autor und Publizist studierte Romanistik und arbeitet für Verlage wie C.H.Beck, DTV, Piper oder Voland&Quist. Für sein literarisches Werk erhielt er mehrere Preise u.a. Open-Mike-Preis der LiteraturWERKstatt Berlin (1999), Würth-Literaturpreis der Poetik-Dozentur Tübingen (1999) oder den Publikumspreis beim Grazer Steirischen Herbst (2002). 2003/04 erhielt er ein Stipendium der Stiftung Brandenburger Tor für einen Aufenthalt in Sarajewo.

Der Autor und Publizist Jochen Schmidt wird nach der Veröffentlichung von kurz hintereinander publizierten sechs Büchern, u.a. „Gebrauchsanweisung für Ostdeutschland“ (Piper, 2015) oder „Der Wächter von Pankow“ (Erzähl- ungen, C.H.Beck 2015), einen neuen Roman schreiben. „Hoplopoiia“ sein Titel, der der Bias entlehnt wurde und dort den Gesang von der Herstellung der Waffen bezeichnet. Im Roman sind die Waffen gemeint, mit denen ein Mensch sein Leben bestehen muss und die ihm seine Jugendjahre liefern. Ort der Handlung wird eine Schule für mathematisch begabte Jugendliche in Ost- Berlin sein, die hier in den letzten Jahren der DDR ihr Abitur machen. An ihren früheren Schulen waren diese Schüler wegen ihrer charakterlichen Eigen- heiten und ihrer mathematischen und naturwissenschaftlichen Interessen Außenseiter, hier aber werden aus kleinen Autisten Legenden.

Abbildung: Leseprobe aus dem Roman „Schneckenmühle“, btb Verlag, 2013
  Constanze Vogt (Kiel) – Objekt/Installation  

Die 1984 in Bielefeld geborene Künstlerin studierte von 2007-2015 an der Muthesius Kunsthochschule Kiel und von 2012-2013 an der Kunsthoch- schule Weißensee. Sie erhielt den Gottfried Brockmann Preis der Stadt Kiel (2015). Sie beteiligte sich an mehreren Ausstellungen, u.a. „gelichte. Nacht- speicher 23“, Hamburg (2015) oder am interdisziplinären Experiment „Perfor- ming the Black Mountain Archive“ im Hamburger Bahnhof, Berlin (2015).


Die Arbeiten von Constanze Vogt sind von Untersuchungen über verschie- dene Medien gekennzeichnet: Zeichen- und Bildträger werden in langen Prozessen bearbeitet, um sich, mit der Zeit, selbstredend in ihren Möglich- keiten zu zeigen. An den Grenzen der Belastbarkeit des Materials werden Übergangsphänomene erfahrbar: Sie benäht beispielsweise einen Bogen Fotopapier mit der Maschine, bis sich, durch das Papier hindurch, eine Textur ergibt. Sie erhielt für Ahrenshoop ein zweimonatiges Projektstipendium, deren Ergebnisse anlässlich von „KUNST HEUTE - Tage der zeitgenössischen Kunst in M-V“ Ende September 2016 im Künstlerhaus Lukas in einer Sonderaus-stellung gezeigt werden.

Abbildung: Ausschnitt aus „stanze“, Papier, gestanzt, 500 x 150 cm, 2012-2015

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